Anime of Death

„Anime of Death“ ist nicht der richtige Name dieser japanischen Zeichentrick-DVD, es ist der im okkulten Untergrund verwendete Spitzname. Der Film heißt eigentlich „The Leviathan of Toyama“ und erzählt in sechs Episoden von einem riesigen Monster mit Fledermausflügeln und Tentakeln, das durch Toyama in Japan wandert, Leute frisst und Häuser zerstört. Die Protagonisten sind unterschiedliche Japaner, die dem Monster begegnen und meist gefressen oder zertrampelt werden. Die Geschichte ist weder sehr originell noch spannend, könnte aber der Ideengeber für den Kinofilm „Cloverfield“ gewesen sein, da sie wie dieser aus der Froschperspektive erzählt wird.

Die amerikanische Version – eigentlich wurde der Film nur für das japanische Publikum hergestellt -, die den Spitznamen „Anime of Death“ erhielt, wurde von Fans mit Untertiteln versehen und mit einer selbstgemachten Hülle über das Internet und schließlich einige einschlägige DVD-Shops verkauft. Der Hülle sieht man schon von Ferne an, dass sie ein Fanprodukt ist: Sie ist schlecht eingescannt, der englische Titel stümperhaft mit einem Bildbearbeitungsprogramm eingefügt und der restliche japanische Text unverändert gelassen worden.

In den USA wurden vielleicht 250 Stück von der DVD verkauft, ca. 600 weltweit außerhalb von Japan, und die meisten davon dürften unerkannt in DVD-Sammlungen vor sich hingammeln oder im Müll gelandet sein. Das japanische Original ist zwar recht weit verbreitet für Sammler innerhalb und außerhalb des okkulten Untergrunds aber wertlos. Für den Sammler ist es die Hülle, die den Film als Hobbyprodukt und Sammelobjekt ausweist, für den okkulten Untergrund ist von Bedeutung, dass nur die quasi-legale Fan-DVD ihre spezielle Wirkung auf den Zuschauer ausübt.

Wie viele Animes enthält der Film „Flimmersequenzen“, d. h. lange Szenen, die hauptsächlich aus flimmernden Farben bestehen, die verschiedene Dinge wie große Geschwindigkeit, Drogeneinfluss oder magische Kräfte symbolisieren. Eine dieser Sequenzen gegen Ende des Films ist fast 15 Minuten lang, kann bei Epileptikern Anfälle auslösen und verursacht bei den meisten Erwachsenen Kopfschmerzen. In der Szene hält ein unter Drogen stehender Arbeitsloser das Monster für eine Gottesvision, die mit viel Geflimmer und einigen surrealen Bildsequenzen dargestellt wird. Sieht ein Zuschauer den Film im Ganzen und wendet den Blick nie von der angeblichen Gottesvision (die übrigens damit endet, dass der Mann von einem Tentakel zerquetscht und anschließend verschlungen wird), sieht er in den bunten Farben seinen eigenen gezeichneten Tod.

Seit das Wissen über die Wirkung des Films die Runde gemacht hat, ist der halbe okkulte Untergrund hinter der DVD her. Was könnte mächtiger sein, als das Wissen, unter welchen Umständen man stirbt? Zum Leidwesen der Adepten zeigt die Sequenz zwar einige Umstände des Todes – vielleicht wo man sich befindet, oder anwesende Personen – sagt aber nicht, wann man stirbt. Vielleicht erfährt man die Uhrzeit durch eine in der Vision gezeigte Uhr, aber niemals den Tag – bisher jedenfalls nicht. Das gezeichnete Selbst ist, wenn es in der Vision überhaupt gezeigt wird, alterslos.

Guckt man den Film mit anderen Leuten zusammen, sieht man auch deren Tod in den wirbelnden Farben der Gottesvision, je mehr Personen involviert sind, desto undeutlicher werden allerdings alle Visionen.

Im Untergrund hat sich inzwischen ein kleiner Handel mit dem Wissen um den Tod von bestimmten Personen entwickelt – rege genug, dass die Informationen fast schon wieder wertlos sind, da gefälschte Daten in großen Mengen verkauft werden. Manche Macher verbreiten auch gezielt Fehlinformationen, um Feinde in die irre zu führen, die versuchen könnten ihre Todesumstände herbeizuführen. Glaubhafte Gerüchte, jemand hätte den Film gesehen, erhöhen außerdem seine Macht, denn wer die Umstände seines Todes kennt, kann sie vermeiden und gilt als schwer zu besiegen oder sogar unsterblich.

[Nächste Woche gibt es Abenteuerideen zum „Anime of Death“.]

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