Charles Bukowski

Ein Charakter für Unknown Armies Fifties

“If you’re going to try, go all the way.
This could mean losing girlfriends,
wives, relatives, jobs and maybe your mind.”
aus “Roll the Dice” von Charles Bukowski

Man vergleicht ihn mit Dostojewski, Rimbaud, Hemingway und Miller. Er hing in Bars rum und liebte klassische Musik, zu der er in der Nacht schrieb. Er war vernarrt in die Pferderennbahn und verwettete oft sein ganzes Vermögen. Er las Schopenhauer und Nietzsche. Doch Charles Bukowski war ein Taugenichts, ein Tagelöhner.  Er war ein Stachel im Arsch der Gesellschaft. Er war unbeugsam, unbequem, ein Verfasser des Elends, der Spiessigkeit und der dunklen Seite des Lebens.

Seine Geschichten sind häufig teilautobiografisch, wenngleich meist satirisch überhöht. Oft handelt das Werk von Menschen, die sich auf der Schattenseite des „American Way of Life“ befinden. Seine Protagonisten sind Kleinkriminelle, Säufer, Obdachlose, Prostituierte und er selbst in Form seines literarischen Alter Egos Henry Chinaski. Charles Bukowski ist Unknown Armies.

Charles Bukowski wurde 1920 im deutschen Andernach geboren. Sein Vater Henry Bukowski war ein US-Soldat polnischer Herkunft, seine Mutter eine Deutsche namens Katharina Fett. 1922 zog die Familie nach Los Angeles, wo die Familie in sehr armen Verhältnissen lebte.

Mitte der Dreißiger veröffentlicht Bukowski eine Handvoll seiner Gedichte und Geschichten in kleinen, alternativen literarischen Zeitschriften. Er wird im allgemeinen als „Straßendichter“ bezeichnet und startet seine „Säuferkariere“ in den Bars von LA. Anfang der Vierziger beendet Bukowski die High School und besucht am City College in Los Angeles knapp ein Jahr lang Vorlesungen über Journalismus, Englisch, Theater und Geschichte, dann beginnt eine Zeit des Herumtreibens.


Ein Trinkerleben

Bis 1946 zieht Bukowski von einer Stadt in die andere und von einem Job zum nächsten, während seines Streifzuges durch New Orleans, Texas, San Francisco, St.Louis, Philadelphia und New York arbeitet er als Leichenwäscher, Metzger, Tankwart, Nachtportier, Sportreporter, Hafenarbeiter und Werbetexter für ein Luxusbordell. Zwischendurch veröffentlicht er eine erste Kurzgeschichte im New Yorker Magazin „Story“. Bei der Einberufung hat Bukowski eine hohe Registriernummer, so dass er zunächst nicht zum Militär muss. Als er schließlich eingezogen werden soll, wird er als physisch und mental untauglich für den Militärdienst eingestuft. Er muss trotzdem für zwei Wochen ins Gefängnis, weil er der Einberufungsbehörde seinen Umzug nicht mitteilt. Er veröffentlicht währenddessen weiterhin sporadisch Geschichten und Gedichte in verschiedenen kleineren Zeitschriften. 

1946 kehrt Charles Bukowski nach Los Angeles zurück. Die Nächte verbringt er in Bars im hiesigen Rotlichtviertel. Hier lernt er Jane Cooney Baker kennen, mit der er eine längere Beziehung eingeht, arbeitet als Briefsortierer im Postamt von Los Angeles und beginnt wieder stärker schriftstellerisch tätig zu werden. 1955  kommt Bukowski wegen eines Magendurchbruchs in das LA County Krankenhaus. Die Ursache ist das Trinken und die Ärzte gaben ihm nur noch Tage zu leben, sollte er je wieder einen Schluck Alkohol trinken. Er wird durch eine Bluttransfusion seines Vaters gerettet und feiert sein Überleben, indem er sich erst mal tüchtig betrinkt. Er gibt seine Stelle bei der Post auf und Jane verlässt ihn. Er korrespondiert mit Barbara Frye aus Texas, die ein Literaturmagazin herausgibt und kurze Zeit später heiraten sie. Die Ehe hält bis 1958, wonach  Bukowski nach Hollywood zieht und wieder bei der Post arbeitet. Er arbeitet an seinen Texten hauptsächlich in der Nacht und trifft sich wieder mit Jane.

1960 wird sein erstes Buch „Longshot Pomes“ publiziert und ebenfalls in diesem Jahr veröffentlicht Bukowski den ersten Gedichtband „Flower, Fist, and Bestial Wail“ dem 1962 „Run with the Hunted“ und 1965 „Confessions of a Man Insane Enough to Live with Beasts“ folgten. 1962 bringt die Literaturzeitschrift The Outsider eine Sonderausgabe über Bukowski und verleiht ihm den Titel „Outsider des Jahres“. Seine Schriftstellerkarriere ist in vollen Zügen… 

Charles Bukowski und der okkulte Untergrund der Fünfziger

Charles erste Begegnung mit dem okkulten Untergrund war im Jahre 1942, als er den jungen Dipsomant Dirk Allen in New Orleans begegnete. Aus dem Saufkumpanen wurde bald ein enger Freund, der Charles auch den ein oder anderen Trick beibrachte. Angeblich konnte Allen die Ratten in Bukowskis Appartement mit einem Fingerzeig zum Platzen bringen und die beiden verbrachten damit einige Nächte unter lautem Gejohle und mehrerer Kisten Bourbon. Die Methode, sich durch Magie Drinks zu erschnorren, merkte er sich, doch Bukowski blieb bei der Schriftstellerei, während Allan sich weiter der Magie zuwandte. Ende der Fünfziger zerbrach die Freundschaft zwischen den beiden, als Allen Bukowski in LA nicht nur um 50 Dollar betrog, sondern ihm auch noch eine Bande Schläfer auf den Hals schickte. Allan war zu der Zeit gerade aus New York geflüchtet und gab sich als Bukowski aus, aber die Schläfer erkannte bald, dass es sich bei dem Kerl um jemand anderes handelte und Bukowski kam mit ein paar Rippenbrüchen davon. Ein anderer Bekannter war Moshe Labovitz, ein ehemaliger Rabbiner und Bibliomant. Als 1953 das FBI Druck auf ihn auswirken wollte, um an sein „Elleh toledot“, einer hebräische Übersetzung eines noch älteren babylonischen Zauberbuchs, zu kommen, vertraute er Bukowski das Buch an. Drei Jahre lang ist es in seinem Besitz, bis Labovitz eines Nachts, bis auf die Knochen abgemagert, vor seiner Tür stand und das Buch zurückforderte. Bukowski gab es ihm in einer Papiertüte zusammen mit einem Fünf-Dollarschein und einer Lage frischer Unterwäsche.

Und so ging es Bukowski mit vielen seiner Bekannten, sie kamen und gingen, hinterließen interessante Geschichten und interessante Dinge und nahmen sie irgendwann wieder mit. Charaktere, die mit Bukowski rumhängen, werden immer wieder auf seltsame Typen stoßen, die seltsame Gaben besitzen, ihnen helfen oder sie tief in die Scheiße reißen können. Denn so ist das Leben auf der Schattenseite des „American Way of Life“.

 

Charles Bukowski

Persönlichkeit: kreativer Prolet
Obsession:  Alkohol

Temperament
Wutimpuls: Mickey Mouse. „Der dreifingrige Hurensohn hat keine Seele.“ – Mickey verkörpert für Charles alles, was beim amerikanischen Traum schiefgegangen ist.
Furchtimpuls:  Bedeutungslosigkeit (Hilflosigkeit). „Das Schlimmste: Einige Zeit nach meinem Tod werde ich richtig entdeckt.“ – Trotz seiner großen Klappe fürchtet Charles, dass er in die Bedeutungslosigkeit verschwindet.
Tugendimpuls: Freiheit. „Ein freier Geist ist selten, doch du erkennst ihn, wenn du ihn siehst.“ – Charles liebt die Freiheit und göhnt sie jedem:  zu machen,was man will, zu ficken, mit wem man will, aber auch die Freiheit, sich selbst zu zerstören.
 
Attribute 
Körper (verlebt) 30
Kampftrinker 25; Kneipenschlägerei (Handgemenge) 20; Sportlichkeit 15;
Schnelligkeit (wankend) 40
In der Gegend herumfahren (Fahren) 30; Initiative 30;
Unter Schlägen wegtauchen (Ausweichen) 30       
Verstand (kreativ) 60
Abgebrochenes College (Allgemeinbildung) 30; Trinkerlyrik verkaufen 45; Trunkener Blick fürs Wesentliche (Wahrnehmung) 30; Verbergen 15     
Seele (offen) 90
Ausstrahlung 15; Dipsomantie* 20;  „Ich spendierte ihr ’nen Drink und sie gab mir ihre Telefonnummer“ 45; Lügen 40        

Geisteszustand 
Gewalt 2/3
Isolation 0/2
Hilflosigkeit 1/2
Übernatürliches 2/3
Identität 0/2

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