Das 51. Ei

Peter Carl Fabergé wurde am 30. Mai 1846 in St. Petersburg geboren. Er entstammte einer hugenottischen deutsch-baltischen Adelsfamilie, sein Vater Gustav war Juwelier. 1872 übernahm  Peter Carl das väterliche Geschäft in Petersburg und arbeitete sowohl in seiner Werkstadt frei und kreativ an edlen Steinen und Metallen als auch in der Petersburger Eremitage, deren Schmucksammlungen er in Ordnung hielt. Dabei entdeckte Fabergé die Schönheit altrussischen Schmucks, den er gleichzeitig traditionsbewusst und auf moderne Weise  nachempfand, wobei er aber auch das magische Erbe, das ihn seine hugenottischen Vorfahren lehrten, einfließen ließ.

So schufen er und seine genialen Werkmeister seit den 1870er Jahren Kunstgegenstände, Juwelen und Erzeugnisse der Steinschneidekunst, mit denen sie schnell alle anderen Juweliere seiner Zeit überflügelten.

So entstanden über die Jahre die fünfzig kaiserlichen Fabergé-Eier von höchster Raffinesse, die zwischen 1885 und 1917 für die Zaren Alexander III. und Nikolaus II. aus Gold, Email und Edelsteinen angefertigt wurden und wohl die Krönung seines Werkes darstellen. Seine Obsession in die Perfektion dieser Werke zeigte sich auch in Anekdoten, nach denen er Eier, die nicht seinen Qualitätsmaßstäben entsprachen, gnadenlos mit dem Hammer zerschlug…  Ein Schöpfer und Zerstörer.

Im okkulten Untergrund kursiert das Gerücht, dass es ein 51. Ei gibt, das schlicht «Serpentina» genannt wird und eine Anfertigung aus dem Jahr 1899 für die extravagante Schauspielerin Sarah Bernhardt  war. Unter Fabergés Anleitung zauberte der Prager Neo-Alchimist Alphonse Mucha aus Gold, Edelsteinen und Email dieses Meisterwerk des Jugendstils. Es trug ein ungewöhnliches Muster aus feinen goldenen Verzweigungen, die die Basis auf blauer Emailierung bilden und war überzogen mit einem Unendlichkeitssymbol in goldener Emailierung. Der biegsame Schlangenkörper erwies sich als ideales Schmuckelement, der im Inneren des Kunstwerks verborgen wurde. Die Detailtreue der Schlange ging soweit, dass sich beim Öffnen des Eis das Maul öffnete und man ins Innere der Schlange blicken konnte.

Mit dem symbolistischen Zeitgeist, der sich in Texten von Charles Baudelaire und Bildern von Gustav Klimt eindrucksvoll spiegelt, wurde hier auf die starke Erotisierung des Schlangenmotivs hingewiesen. Denn der Schlange wurden menschliche Eigenschaften angedichtet, und sie war der Stoff, aus dem quer durch alle Kulturen die Märchen und Mythen waren.

Für Freud war die Schlange das Phallische, für Goethe eine «unbewusste Ich-Kraft», und in ihrer Fähigkeit des Häutens sah man sogar ein Symbol der Ewigkeit.  Gleichzeitig war sie stets ein Zeichen von Gefahr, wenn sie sich schnell und lautlos im Staub windet und als Meister der Tarnung blitzschnell und tödlich angreift. Ein komplexes und universellen Symbol: Sie kann männlich oder weiblich sein, sie kann Tod oder Leben bringen, sie steht für hinterhältige List, aber auch für Weisheit.

 

 

Die besondere Fähigkeit dieses Artefakts soll darin liegen, dass alle, die das Ei öffnen und ins Innere der Schlange schauen, einen unglaublichen Sog spüren. Für jede Minute, die sie in die Unendlichkeit blicken, wird ihnen eine Sorge genommen, die schwer auf ihrer Seele liegt. Angeblich funktionierte dies bei Psychosen, die auf verstörende sexuelle Akte beruhen, besonders stark. Regeltechnisch wird für jeden Einsatz dieses Artefakts gleichzeitig eine Traumakerbe UND eine Härtekerbe in einem Aspekt gelöscht (besitzt man keine Härtekerbe in diesem Aspekt, so kann man dort auch kein Trauma verlieren), wobei zusätzlich eine Stresswurf auf Identität der Stufe 7 nötig ist, um sich nicht vollkommen in der Ewigkeit zu verlieren. Diejenigen, die sich verlieren, sollen in ihrem komatösen Zustand allerdings für immer leben.

Zusammen mit etwa dreißig weiteren Fabergé-Eiern, die nicht im Zuge der russischen Revolution über die ganze Welt verstreut bzw. zerstört wurden, gelangte das Kleinod in den Besitz des 1990 verstorbenen Medienzaren und Playboy Malcolm Forbes und sollte im April 2004 bei Sotheby’s in New York zu einem Schätzpreis von 18 bis 24 Millionen Dollar versteigert werden. Den Zuschlag bekam überraschenderweise das New Orleans Museum of Art, das die unglaubliche Summe von 25 Millionen Dollar von einem unbekannten Spender dazu nutzen konnte. In Wirklichkeit landete das Artefakt natürlich in den Händen des exzentrischen Milliardärs Alex Abel und verschwand im Giftschrank der Neuen Inquisition.

Hier befinden sich die 51 kaiserlichen Fabergé-Eier:

-Moscow Kremlin Collection (10)
-The Vekselberg Collection (9)
-Virginia Museum of Fine Arts (5)
-New Orleans Museum of Art (4)
-Anonyme Private Sammlungen (4)
-The Royal Collection, Her Majesty Queen Elizabeth II (3)
-Edouard and Maurice Sandoz Foundation, Switzerland (2)
-The Hillwood Museum, Washington, D.C. (2)
-The Walters Art Museum, Baltimore, Maryland (2)
-Prince Rainier III of Monaco Collection (1)
-The Cleveland Museum of Art (1)
-Unbekannt (8)

PS.: Schmuck wird auch ein Thema des kommenden Kassibers sein. Harrt noch ein wenig aus…

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