Das versteckte Monster

„Als ihm die Wahrheit dämmerte, stieß er einen wilden Schrei der Verzweiflung aus und fiel schluchzend zu Boden. Also war er es, der missgestalt und bucklig, widerwärtig anzusehen und lächerlich war. (…) Er kroch fort, damit er sie nicht sähe, und bedeckte die Augen mit den Händen. Er kroch wie ein verwundetes Geschöpf in den Schatten und blieb dort stöhnend liegen.“
                                                                                            –Oscar Wilde, Der Geburtstag der Infantin

Das versteckte Monster ist die Schande der Familie, das schwarze Schaf, so ungeliebt und hässlich, dass es der Welt niemals gezeigt weden darf. Statt dessen versteckt man es im Keller oder auf dem Dachboden, sodass niemand ausserhalb der eigenen Familie es je zu Gesicht bekommt. Manchmal ist das Monster ein Resultat von Inzest, hat die falsche Hautfarbe oder einen genetischen Defekt. Manchmal liebt die Familie das Monster aus vollem Herzen, kann es aus Scham allerdings niemals zeigen. Des öfteren bliebt es jedoch ungeliebt und ungewollt, wenn auch niemand den Schneid hat, es einfach auszumerzen.
Das versteckte Monster verlor seine Einzigartigkeit, seitdem die Gesellschaft das Ungewöhnliche. das Leben ausserhalb der Norm, immer mehr akzeptierte. Nichtsdestotrotz, hinter verschlossenen Türen, in abgelegenen Kleinstädten, bei Hinterwäldlern auf verlassenenen schottischen Inseln oder in den Villen der Hollywood Elite findet sich dieser Archetyp noch heute. Niemand folgt freiwillig dem Pfad dieses Archetypen.

Taboo: Sich jemand ausserhalb der Familie zu erkennen geben. Ein Monster, das sich der Öffentlichkeit zeigt, verliert schnell seinen Avatarstatus.

Symbole: Keller, Dachböden, verschlossenen Türen, Ketten und Schlösser, Umhänge, Masken nur mit Augenschlitzen werden mit diesem Archetypen verbunden.

Bekannte geschichtliche Avatare: Der Aufstieg des mythologischen Minotaurus gibt als Geburtsstunde dieses Archetypen. Die Mystereinkulte des alten Griechenlandes widmeten sich insbesondere der Macht dieses Avatars. Der Mann in der eisernen Maske stellte den Höhepunkt in der okkulten Gesellschaft der Renaissance dar und ist der mächtige Gegenspieler des Sonnenkönigs. Manche fragen sich, ob dieser überhaupt ein Gesicht besaß. John Merrick, der Elefantenmensch, und Kaspar Hauser sind die letzten großen Avatare der Neuzeit. Namen wie Fritzl oder Detrou haben den Schrecken in den letzten Jahren medial von den Gefangenen auf ihre Kerkermeister übertragen. Die Faszination und Macht des Monsters bliebt aber ungebrochen.

Gaben:
1-50%: Innerhalb seines Gefängnisses ist das Monster mächtiger, schneller und tödlicher. Das Monster kann die Würfel für jeden Wurf auf einen physische Fähigkeit tauschen. solange der ursprüngliche Wurf unterhalb der Avatarfähigkeit lag.

51-70%: Das Monster bleibt für jeden ausserhalb seiner Familie unsichtbar. Um es zu entdecken, muss einem Beobachter ein Wurf auf Wahrnehumung mit einem Mindestwurf in Höhe der Avatarfähigkeit des Monsters gelingen. Das funktioniert natürlich nicht bei einer direkten Konfrontation, sondern erklärt nur die seltsamen „Geräusche vom Dachboden“ oder das „Geflüster aus dem Keller“. Kinder scheinen der Gabe des Monsters gegenüber übrigens immun zu sein.

71-90%: Das Monster beginnt sich körperlich zu verändern, wird monströser und nimmnt Charakteristiken passend zu seiner Gefangenschaft an. Ein Monster in einem Sumpf in Florida bekäme lederne Haut und Reißzähne, eins in einem Keller in Boston bleiche Haut und Augen, die auch in totaler Dunkelheit sehen könnten. Das Monster kann Fertigkeitspunkte in Höhe seiner Avatarfähigkeit in solche Ferttigkeiten wie „Leute zerfleischen“ oder „Im Dunkeln sehen“ verteilen. Ab diesem Level altert das Monster auch scheinbar nicht mehr.

91%+: Das Monster kann nur noch von Mitgliedern der eigenen Familie getötet oder ernsthaft verletzt werden. Wie stark diese Verbindung sein muss, entscheidet der Spielleiter. Manchmal reicht schon eine symbolische Verbindung zwischen dem Monster und einer ebenfalls ausgestossenen Seele.

Nach einer Idee von James Palmer aus dem amerikanischen Unknown Armies Forum.

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