David Lynch 66

Heute ist David Lynchs 66. Geburtstag und was wäre ein besserer Zeitpunkt, um seine Verdienste um den surrealen Horror (und damit um Unknown Armies) zu würdigen?

 

Ereaserhead – Ein vor sich dahin verwesender Mann der anscheinend im inneren eines einsamen Planeten lebt und von dort aus über einen Mechanismus unsere Erde steuert, eine völlig entstellte Frau, die ein fröhliches Lied trällert, der Sound (nicht die Musik) klingt unglaublich bedrohlich und fremd und unterstützt die kranke Atmosphäre. Ihr wollt eure Spieler durch Atmosphäre verunsichern, hier seht ihr wie…

Blue Velvet – Ein Blick hinter die weißen Palisadenzäune des amerikanischen Kleinstadt-Traums, eine korrupte Schattenwelt aus Boshaftigkeit, Sadismus und Wahnsinn.

Twin Peaks – Der Mord an der wunderschönen verderbten Highschool-Schönheit, ein Mörder, nicht von dieser Welt und eine wahre Obsession für Kaffee. Eine harmlose bekannte Umgebung wandelt sich in eine Alptraum. Blue Velvet bietet dafür einen obsessiven Killer, Twin Peaks einen übernatürlichen.

Wild at Heart – Elvis, Sex, das Mädchen, welches mit halb herausquillendem Gehirn ihre Handtasche sucht und eine Schlangenlederjacke, als Symbol für Individualität und den Glaubens an die persönliche Freiheit. Als Spielleiter inspiriert man sich ja beizeiten bei klassischen Motiven (hier „Der Zauberer von Oz„) und verfremdet sie durch moderne Bilder und extreme Gewalt. Hier sieht man wie das in Perfektion gelingt…

Lost Highway – Gewalt, Verwirrung und Finsternis; das Verschwimmen von Zeitebenen, der Mystery Man.

Mulholland Drive–  eine angehenden Schauspielerin, die ihr Gedächtnis verloren hat auf der Suche nach ihrer (?) Vergangenheit, dazu zwei schreiende Großeltern.

Inland Empire – Das Remake eines Liebesdramas, das nie fertig gestellt worden ist, weil die beiden Hauptdarsteller während des Drehs ermordet worden sind. Weder der Zuschauer noch die Protagonistin können eine klare Entscheidung treffen, was nun wirklich passiert und was sich in ihrer Psyche abspielt. Drei Stunden in einem abstrakten Geflecht aus Zeichen und subtilen Andeutungen.  Diese drei Filme arbeiten alle mit dem typischen Unknown Armies Thema „Identitätsübernahmen“ (z.B. Personomanten, Idolomanten, Avatare) und treibt das Genre des Mindfuck auf die Spitze.  Außerdem nutzt er wieder gekonnt die Tonebene, um beunruhigende Stimmungen und Momente zu erzeugen. Anstrengend aber lohnend!

Vielleicht drückt auch ein Zitat besser aus, wie ein gutes Szenario motiviert wird:

„Das Geheimnis des Lebens ist wunderschön. Aber Geheimnisse muss man aufdecken. Wir sind alle Detektive. Sobald es dunkel wird, fragen wir uns: Was ist da? Was ist dort? Wir suchen nach Hinweisen, bis wir etwas finden. Und langsam öffnet sich die Welt. Mehr und mehr Verständnis. Mehr und mehr Bewusstsein. Jetzt kann man natürlich sagen: Ich liebe Geheimnisse so sehr, ich will sie gar nicht aufdecken!“

Und das von dem Mann, von dem man sagt, dass niemand seine Filme wirklich verstehen kann.

Übringens: der Mann macht auch verstörende Bilder und Musik.

Das Haus der Renuntiation wünscht alles Gute zum Geburtstag!

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