Destino

Walt Disney hatte Salvadore Dalí 1945 auf einer Party beim Filmproduzenten Jack Warner kennengelernt und den verrückten Katalanen ins Herz geschlossen, obwohl dessen Obsessionen kaum in Einklang mit Disneys heiler Welt standen. Auch Dali war von Disney angetan, wobei sein Interesse zunächst hauptsächlich Walts gewaltige Modelleisenbahn galt. Es entstand die Idee eines etwa achtminütigen gemeinsamen Kurzfilms namens „Destino„.  Basierend auf dem melancholieumdüsterten Song des mexikanischen Komponisten Armando Dominguez entwarf Dalí schon bald Storyboard-Zeichnungen und fünf Hintergründe, obwohl er den Song nicht mochte, sondern nur dessen schicksalhaften Titel. Er sah darin „eine magische Exposition existentieller Probleme im Labyrinth der Zeit“. Disney ging es eigentlich eher um „die einfache Geschichte eines jungen Mädchens auf der Suche nach der wahren Liebe“.

Die Bilder waren wunderschön, symbolisch, aber auch verstörend. Die Protagonistin, eine Ballarina trippelt darin graziös durch eine typische Dalí-Wüste, ihr wächst ein Pusteblumenkopf, später ein Basketball, denn ihr Geliebter, der zunächst aus einer Kronos-Brunnenstatue erwächst, verwandelt sich am Ende in einen All-American-Sportsboy. In Dalís Fantasiewelt verwandeln sich Ameisen in Radfahrer mit einem Baguette unter dem Arm, Augäpfel tragen Smoking und natürlich tauchen auch die in Dalís Werk so oft präsenten schmelzenden Uhren auf. Dalí selbst soll gesagt haben: „Wenn du glaubst, die Geschichte zu verstehen, hast du sie nicht verstanden.“

Der gewünschte Film kam allerdings nie zustande, da man in den Studios schon seit Pearl Harbor Finanzierungsprobleme hatte und die Angst verspürte, hier könnte erstmals mehr Dalí statt Disney drin sein. Doch wurden Kopien davon unbemerkt in den okkulten Untergrund geschmuggelt, da einige Macher davon ausgingen, dass Dalí, der den Weg des Narren schon längere Zeit erfolgreich gegangen war, Teile seiner Vision in „Destino“ verbarg. Und es stellte sich heraus, dass ihre Vermutung richtig war. Es waren 23 Sekunden Film, die den Zuschauer in eine Zustand der Verzückung brachte, die allerdings erst nach dem Verlassen des Kinosaals ihre volle Wirkung entfaltete…

Wie immer gab es Spielverderber und schon einige Zeit später ging ein Kopierwerk am Sunset Boulevard in Flammen auf, während in den Disneystudios durch den Fehler einer übermüdeten Cutterin einige Sequenzen „versehentlich“ zerstört wurden; die Schläfer verhinderten ein weiteres Mal, dass der Tiger geweckt wurde.

Die fehlenden Bilder verkürzten die Überbleibsel des Filmes in den Archiven des Disneystudios auf 18 Sekunden. Disneys Enkel Roy ließ diese vor einigen Jahren rekonstruieren und vollenden, doch die Magie war verflogen. Ein letzter erfolgloser Versuch einer rituellen Erweckung wurde 2003 bei der kommerziellen „Destino„-Veröffentlichung gestartet, als der Film direkt über Dalís Grab, in dessen selbst eingerichtetem Theatermuseum im katalanischen Figueres präsentiert wurde. Es bescherte den Studios zumindest noch eine Oskar Nominierung im Jahr 2004.

Destino, ein starkes Artefakt

Nachdem man die 23-sekündige Version von Destino in einem abgedunkelten Kinosaal gesehen und gehört und seine Augen in dieser Zeit nicht einmal zum Blinzeln geschlossen hat, setzt die Wirkung ein. Wann immer man im Laufe der kommenden Stunden leise „Destino“ flüstert, ergibt sich ein positiver Zufall wie beim Cinematenspruch Narrativer Zufall. Der Ereignis muss hierfür allerdings als Ziel entweder eine Person sein, die Teil der eigenen Obsession ist oder die „Liebe seines Lebens“.

Die Wirkung verfällt übrigens bei Sonnenaufgang und man kann Destino erst wieder erneut einsetzen, wenn man ein Jahr älter geworden ist. Dieses Artefakt wird von Cinemanten und Amoromanten heiß begehrt und ist eine mächtige Ritualzutat bei Liebeszaubern.

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