Die Welt der Piraten 1720 – Teil 1

Die Jahrzehnte zwischen 1690 und 1730 gilt als das Goldene Zeitalter der Piraterie. Die Piraten, die ihr Unwesen in den karibischen Gewässern trieben, wurden Bukaniere genannt. Sie selber bezeichneten sich als Brüder der Küste. Das Wort ist vom französischen Begriff boucanier abgeleitet, was soviel wie „Fleischräucherer“ bedeutet, denn die Piraten übernahmen die Methode der karibischen Ureinwohner unter Verwendung von Grünholz auf schwacher Flamme Fleisch zu räuchern, um es haltbar zu machen.Jeder Staat, der sich als aufstrebende Seemacht fühlte, stellte seine eigenen Kaperbriefe aus, die aus diesen einfachen Seeräubern ganz legale Geschäftsleute mit militärischer Befugnis und Einzugs­ermächtigung machte. Die Beute teilte man sich. Und so bestand ein Großteil der gesamten Marine Englands, Frankreichs und Spaniens aus solchen privaten Kriegsschiffen, den „privateers“, die feindliche Schiffe aufbringen durften – solange Krieg herrschte.  Irgendwann war der spanische Erbfolgekrieg vorbei und viele der nun arbeitslosen Freibeuter machten sich selbständig und organisierten sich quasi demokratisch. Kapitän und Offiziere wurden im Normalfall von der Mannschaft gewählt, wobei die Führungsqualitäten, seien sie martialisch oder charismatisch, zählten. Die Verteilung der Beute war vertraglich geregelt. Natürlich konnte der Kapitän auch wieder abgesetzt werden. Der erste Maat war weiterhin als eine Art Anwalt der Mannschaft zu sehen. Um die Ordnung an Bord zu erhalten, gab es strenge Gesetze und die meisten Vergehen dagegen wurden mit dem Tod bestraft.

Also kreuzten die Bukaniere in weiten Schlägen über die Weltmeere, wie sie Winde und Jahreszeiten den schwer zu manövrierenden Rahseglern diktierten. Im Sommer machten Männer wie Bartholomew Roberts oder Edward „Blackbeard“ Teach Jagd auf den Handelsrouten im Norden, vor Neuengland und Kanada. Im Winter zog es sie in die Karibik, den indischen Ozean, an Afrikas Küsten – oder zum Verschnaufen in die Piratenrepublik. Die hatten die Seeräuber Benjamin Hornigold und Thomas Barrow auf der Bahamas-Insel New Providence ausgerufen, wo es am Strand Huren und Schnaps im Überfluss gab.

Wer wurde Pirat?

Zumeist waren es Seeleute, die auf einem herkömmlichen Schiff keine Zukunft sahen, oder es waren Überlebende von Piratenangriffen, die von diesen aufgefordert wurden, bei ihnen zu dienen (dazu gehörten auch befreite Sklaven, die von ihren neuen Kameraden als durchaus gleichberechtigt angesehen wurden).  Für viele Matrosen war das Versprechen des immer zugänglichen Rums einer der wichtigsten Gründe, die Handelsmarine zu verlassen und Pirat zu werden. Manche Bukaniere waren für ihre Gelehrsamkeit bekannt. Der Zoologe William Dampier (1651–1715) überfiel beispielsweise im Laufe seiner äußerst wechselvollen Karriere unter anderem auch die Städte an der Pazifikküste Südamerikas. Seine umfangreichen geographischen und zoologischen Aufzeichnungen dienten hingegen Charles Darwin als reiche Quelle.

Einige Frauen entdeckten in der Piraterie eine Art und Weise, gegen die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern zu rebellieren und so gab es eine alte Tradition von Frauen, die sich verkleideten, um zu Reichtum zu gelangen, oder ihrem Mann oder Liebhaber auf See zu folgen. Anne Bonny und Mary Read sind wohl die bekanntesten Beispiele.

Ein Charakter kann also aus einem reichhaltigen Hintergrund schöpfen, schlussendlich ist nur wichtig, weshalb er bei den Brüdern der Küste gelandet ist und ob es gar eine Obsession gibt, die ihn oder sie dorthin geführt hat.

Weiter geht’s mit Die Welt der Piraten 1720 – Teil 2“: Die Rollen an Bord, Schiffe und Waffen

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