Die Welt der Piraten 1720 – Teil 2

Die Rollen an Bord

Nach dem Kapitän war der Quartermeister der wichtigste Mann an Bord eines Piratenschiffes. Er war ein Art  Friedensrichter und befugt, kleinere Vergehen, wie Streitereien oder ungenügende Pflege der Waffen, zu bestrafen; über ernste Vergehen konnten dagegen nur Geschworene entscheiden. Er war der einzige Mann auf einem Piratenschiff, der Auspeitschungen vornehmen durfte; diese Art der Bestrafung war jedoch derart verhaßt, daß sie nur gestattet war, wenn sie von der Besatzung durch Stimmenmehrheit gebilligt wurde. Der Quartermeister war auch der erste, der eine Prise enterte; er war für die Auswahl und Verteilung der Beute verantwortlich und befehligte das Beiboot bei besonders schwierigen oder gefährlichen Unternehmungen.

pirate crew

Außer dem Kapitän und dem Quartermeister gab es bei den Piraten all die anderen Offiziere, die auf einem Kriegsschiff üblich sind, wenn sie sie finden konnten. Diese Offiziere wurden gelegentlich gewählt, häufiger jedoch durch den Kapitän und den Quartermeister ernannt. Gelegentlich gab es auch einen Leutnant der keine besondere Funktion hatte außer der, das Kommando zu übernehmen, wenn der Kapitän getötet wurde. Der Segelmeister war für die Navigation und das Setzen der Segel zuständig. Der Bootsmann war für Instandhaltung, Takelung und Schiffsausrüstung und die alltäglich anfallende Arbeit auf dem Schiff verantwortlich. Der Geschützmeister hatte die Geschütze, die Ausbildung an den Geschützen und die Geschützbedienung im Gefecht unter sich. Andere wertvolle Offiziere mit Spezialkenntnissen waren der Schiffszimmermann, der Segelmacher und der Schiffsarzt. Wobei dieser einen Großteil seiner Zeit damit verbrachte, die Geschlechtskrankheiten der Besatzungsmitglieder zu kurieren. Geschlechtskrankheiten grassierten in solchen Ausmaßen, dass die Besatzungen auf dem überfallenen Schiff zuerst den Arzneischrank suchten, um  Queck­silber­präparate zur Behandlung ihrer Syphilis zu finden. Gegen die Hauptursachen für Todesfälle und Dienstuntauglichkeit in tropischen Gewässern –Skorbut, Gelbfieber, Malaria und Ruhr – war er praktisch hilflos. Im Kampf hatte er Wunden zu versorgen und Amputationen vorzunehmen. War kein Arzt an Bord eines Piratenschiffes, so sprang der Schiffszimmermann ein: Die Werkzeuge waren ungefähr die gleichen. Im günstigsten Fall stand ausreichend Branntwein zur Verfügung, um die Schmerzen zu lindern und den Mut zu steigern.

 

Die Regeln auf dem Schiff von Bartholomew Roberts

  • Alle wichtigen Entscheidungen müssen zur Abstimmung gebracht werden.
  • Jeder, der beim Stehlen erwischt wird, soll ausgesetzt werden.
  • Alle Pistolen und Entermesser müssen saubergehalten werden.
  • An Bord sind keine Frauen erlaubt.
  • Jeder, der während einer Schlacht vom Schiff desertiert, wird hingerichtet.
  • Alle Streitigkeiten innerhalb der Mannschaft werden an Land beigelegt.
  • Der Kapitän und der Quartiermeister erhalten je 2 Teile der Beute, der Hauptkanonier und der Bootsmann  1 1/2 Teile, andere Offiziere 1 1/4 Teile und alle anderen Besatzungs­mitglieder je einen Teil.
  • Alle Verletzungen werden entschädigt. Jeder, der ein Körperglied während eines Kampfes verliert, erhält einen Extraanteil der Beute.

 

Schiffsgattungen

Etwa 2.500 Piraten segeln und kapern in der Hochzeit der goldenen Ära zwischen 1720 und 1730 in der Karibik, im Atlantik und auch im indischen Ozean.

Obwohl Piraten und Bukanier wie Blackbeard und Vane mit großen, gut bewaffneten Schiffen Jagd auf Beute machten, benutzten die meisten ihrer Mitstreiter kleinere Segelschiffe- typisch war die Schaluppe. Sie war der Hauptschiffstyp des 17. und 18. Jh.. Der Schiffstyp umfasste viele verschiedene Segelschiffe. Kleine Einmaster mit sehr umfangreichem Segelwerk waren schnell und wendig, hatten nur geringen Tiefgang und waren in der Lage fünfundsiebzig Mann und vierzehn kleine Kanonen mitzunehmen. Im 18. Jh. stand der Name für ein ähnlich kleines Segelschiff, nunmehr aber Zwei- oder Dreimaster. Auf  Jamaika wurde dieser Schiffstyp weiterentwickelt und so stark gebaut, dass zusätzliche Kanonen mitgeführt werden konnten.

Der Schoner war die amerikanische Variante und beherrschte im 18. Jh. zunehmend die amerikanischen und karibischen Gewässer. Er war schmal gebaut und hatte große Segelflächen, wodurch er wendig und schnell wurde. Bei gutem Wind konnte er leicht zwölf Knoten erreichen. Der geringe Tiefgang machte es möglich, sich auch in den seichten Gewässern der Bahamas und an den Küsten Carolinas zu verstecken. Sein Nachteil war der kleine Laderaum.

Weiter gab es die Brigantinen, die normalerweise für den Küstenhandel eingesetzt wurden. Ein Zweimaster, der bei unterschiedlichen Winden genutzt werden konnte. Am Vordermast hatte er ein rechteckiges Segel, am Hauptmast Vorder- und Hauptgroßsegel, sowie ein rechteckiges Topsegel.

Die englischen Kaperschiffe waren im elisabethanischen Zeitalter Fregatten, die auch das Standardkriegsschiff der königlichen Marine waren. Diese hatten einen schlankeren Rumpf als die Galeonen und einen niedrigeren Aufbau, welcher stufig zum Achterdeck anstieg, sie waren ausgesprochen wendig. Bestückt waren sie mit starken Kanonen auf vierrädrigen Lafetten und vermieden gewöhnlich den direkten Feindkontakt, verließen sich lieber auf ihre Waffenkraft, um die Schlacht zu gewinnen.

Der Pirat im Kampf

Die Piraten verzichteten gerne auf den Kampf, was ihnen auch oft gelang, denn Handelsschiffe mit schlechter Bewaffnung, ergaben sich lieber. Waren die Piraten in Schussweite, hissten sie den Jolly Roger und setzten einen Schuss vor den Bug der Beute. Die Piraten hatten auch keine Angst vor kampftüchtigen und besser bewaffneten Schiffen, waren sie doch selber mit einem schwer bewaffneten Schiff unterwegs. Das letzte Wort über den Angriff hatte aber der Kapitän, er entschied, ob es ein zu großes Risiko war oder nicht. Kam es zum Kampf, enterten sie die Schiffe meistens, vor allem um sie vor Schaden zu bewahren – ein beschädigtes Schiff brachte weniger oder eventuell gar kein Geld. Waren die Enterhaken geworfen und die Schiffe längsseits miteinander verbunden, stürmten die Piraten das Deck und der Nahkampf begann – für gewöhnlich gewannen sie ihn auch, denn sie waren meist mehr Männer, die zudem noch besser bewaffnet waren.

Entermesser  Das Entermesser soll sich aus den langen Messern der ursprünglichen Bukaniere entwickelt haben, die damit ihr Fleisch zum Grillen vorbereiteten. Seine kurze breite Klinge war ideal für den Gebrauch im begrenzten Raum an Bord eines Schiffes geeignet. Das Entermesse war bei allen kämpfenden Seeleuten die favorisierte Waffe. Schwerter fand man eher bei den Marineoffizieren, aber auch  stylische Piratenkapitäne mochten diese elegantere Waffe.

Dolch Da er leicht zu verbergen war, wurde der Dolch für überraschende Attacken benötigt und für Situationen, in denen kein Platz war, ein Schwert oder einen Degen zu schwingen.

Bordaxt Diese Axt wurde von den Piraten hauptsächlich für Arbeiten am Schiff verwendet, war aber auch eine fürchterliche Waffe.

Muskete Mit ihrem verkürzten Lauf hatte die Muskete zwar nur eine begrenzte Reichweite, aber genau wie das Entermesser war sie vorzüglich für den Gebrauch an Bord von Schiffen geeignet, wo die Gegner in unmittelbarer Nähe waren und Reichweite deshalb nicht so wichtig war (Maximaler Schaden 30).

Steinschlosspistole Diese Pistole war leicht und gut zu tragen und so besonders gut zum entern von feindlichen Schiffen geeignet. Ein Problem war, dass das Pulver der Pistole nicht nass werden durfte. Außerdem konnte mit dieser Pistole nur ein einziges Mal ohne nachzuladen gefeuert werden; der Pirat musste also entweder mehrere Pistolen bei sich tragen oder den Knauf der Waffe als Schlagstock benutzen, um sich nach dem Abfeuern verteidigen zu können. 

Kanonen Die Geschütze waren immer die letzte Instanz, doch selbst kleinere Handelsschiffe hatten Artilleriewaffen. Das typische Geschütz der Piratenschaluppen war der Vierpfünder, der eine Kanonenkugel ca. 1 km weit feuern konnte. Es wurden auch Kettenkugeln verwendet, um die Takelage zu zerstören. Waren die Segel erst mal runter, war an Flucht nicht mehr zu denken.

Weiter geht’s mit „New Providence, das Piratennest .

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