Grace for Drowning

„Menschen, die kurz vorm Ertrinken oder Erfrieren standen, berichten, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem der Kampf aufhört und sie einen Zustand des Friedens und der Gnade erreichten. Diese Metapher gefiel mir, denn wir sind alle Ertrinkende. Das Tempo, der Druck, der Stress, die Technik, all der Unsinn, den man ertragen muss, erdrücken uns. Und doch kann man inmitten der Gefahr einen Punkt der Zufriedenheit finden – wie ich mit meiner Musik.“ – Steven Wilson

Zwei Jahre nach der Veröffentlichung seines ersten Soloalbums „Insurgentes“ liess Steven Wilson, der Kopf der Band Porcupine Tree, sein zweites Solowerk „Grace For Drowning“  auf den okkulten Untergrund los. Mit Hilfe von 14 Gastmusikern sowie dem London Session Orchestra und dem Synergy Vocals Choir hatte er ein Doppelalbum mit über 90 Minuten Spielzeit eingespielt, das noch  experimenteller als der Vorgänger ausgefallen ist.

Es teilt sich auf in sieben Songs auf dem ersten Teil, der ‚deform to form a star‘ betitelt wurde und fünf Tracks, die zum zweiten Teil mit dem Namen ‚like dust i have cleared from my eye‘ gehören. Besonders hervorzuheben sind hier das knapp zehnminütige ‚remainder the black dog‘, mit auffällig jazzigen Arrangements , sowie teilweise an die englische Progressive-Rock-Gruppe King Crimson erinnernde dreiundzwanzigminütige düster-kryptische Epos ‚raider II‘.

Der Grundtenor von „Grace For Drowning“ ist eher ruhig, in einem bedrohlich wabernden, ambienten Stille, die auf seltsame Weise dann doch gar nicht so still ist, wie es im ersten Moment den Anschein hat, denn plötzliche Übergänge zu metallischen Trip Hop Beats wirken wie Nine Inch Nails Industrial-Anleihen und sind seltsam brachial. Man hat stets das Gefühl, dass sich vieles, was zu der ungeheuren atmosphärischen Dichte des Albums beiträgt, auf einer sehr subtilen Ebene abspielt.

Steven Wilson wurde 2012 mit diesem Album in der Kategorie „Best Surround Sound Album“ für einen Grammy nomieniert, verlor aber gegen den neuabgemischten Eric Clapton Klassiker „Layla and Other Assorted Love Songs“.

Als Hintergrundmusik für eine Unknown-Armies-Session ist dieses Album nicht nur deshalb geeignet, weil es einige reine Instrumentale wie „Sectarian“ oder „Belle De Jour“ hat, sondern weil einige der Titel eine tief unter die Haut gehende Düsternis in epischer Breite verbreiten, wie man sie ansonsten nur aus der Filmmusik kennt. Mich hatte es vor allem an den Soundtrack von Cronenbergs „Crash“ erinnert, der einer meiner Lieblingshintergrunddudeleien während eine UA-Abends ist.

Schlussendlich geben aber auch die Texte Inspirationen für zukünftige Szenarios in der Welt der Adepten und Avataren:

“Check for fibres in the gaps between the teeth, the floorboards
Check the fingerprints, go through the trash
Maybe I just wanted some attention.”
-raider II

Danke an Tannjew für den Tipp!

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