„Heroes“ und UA

Ich sehe gerade mit großem Vergnügen die Serie „Heroes“. Es fing damit an, dass ich in der Videothek keinen Film finden konnte und nur aus Neugierde die erste DVD der Serie auslieh. Seitdem habe ich immer, wenn mal ein Wochenende frei war, eine weitere ausgeliehen und warte jetzt gespannt auf die zweite Staffel. Superkräfte, eine sehr modern erzählte und emotionale Geschichte, Verschwörungen und ein potenzieller Weltuntergang: Hier gibt es alles, was der Geek – und auch der UA-Spieler – will.

In „Heroes“ gibt Leute mit besonderen Kräften in einer modernen Welt, die alle Gründe haben mit anderen Leuten dieser Art in Kontakt zu treten, zu beeinflussen und für die eigenen Ziele zu gewinnen. In diesem Punkt sind sich die Serie und UA sehr ähnlich, aber die Stimmung ist schon etwas anders. Es geht nicht um modernen Okkultismus sondern um Superhelden. Für UA von Bedeutung ist aber der Erzählstil. Es hatte einen Grund, dass ich vor einigen Tagen ein weiteres Mal meinen Netzwerke-Artikel verlinkt habe (außer der üblichen Selbstdarstellung natürlich): „Heroes“ zeigt uns beeindruckend, wie man solche Netzwerke aufbaut und die einzelnen Personen auf Kollisionskurs bringt.

Für die Unwissenden:

In „Heroes“ haben eine Reihe von Leuten ungewöhnliche Kräfte – eine Cheerleaderin hat unglaubliche Selbstheillungskräfte, ein Polizist kann Gedanken lesen, ein Künstler malt im Drogenrausch die Zukunft. Ein paar der Leute kennen sich. Zwei der „Helden“ sind beispielsweise Brüder und es gibt ein Vater-Mutter-Sohn-Gespann, in dem alle drei besondere Kräfte haben. Andere begegnen sich während der Geschichte: Zwei Männer lieben die gleiche Frau und ein Autounfall führt drei weitere Helden zusammen, die sich vorher nicht kannten. Manchmal sind diese Begegnungen flüchtig wie die kurze Unterhaltung zwischen dem Japaner Hiro, der Raum und Zeit beeinflussen kann, und einem Abgeordneten, der fliegt.

All diese unterschiedlichen Handlungsstränge werden von ein paar zentralen Personen und Begebenheiten zusammengehalten. Zum einen ist da eine schattenhafte Figur namens Linderman, der im Hintergrund agiert und unterschiedliche Leute für sich arbeiten lässt, erpresst oder anderweitig beeinflusst. Dann gibt es die beiden Männer, die für eine Art Organisation arbeiten, die auf der Suche nach Leuten mit besonderen Kräften ist. Noch jemand anderes ist auf der Suche, nämlich ein Inder, dessen Vater eine wissenschaftliche Erklärung für die Kräfte finden wollte und zu diesem Zweck „Forschungsobjekte“ suchte. Der letzte „große“ Verknüpfungspunt ist die Zukunft. Der Japaner Hiro hast sie bereist und der Künstler gemalt: New York City wird von einer Atombombe zerstört werden. Können sie es verhindern?

Für Spielleiter, die gern auf Netzwerke von verknüpften Personen zurückgreifen, lohnt sich die Analyse der Serie. Nicht alle Personen kennen sich, aber über ein paar „Schritte“ hängen alle zusammen. Was in Texas geschieht, kann Einfluss auf New York haben. Der Spielleiter sollte darauf achten, über welche Wege die verschiedenen Hauptpersonen zusammenhängen und wie die Beziehung zwischen den Menschen eingesetzt wird, um dramatische Szenen zu erzeugen. Ein Mann wird gezwungen, seine Frau zu manipulieren, um sie zu schützen, doch es geht schief, was seine Tochter dazu wiederum zwingt sich gegen ihren Vater aufzulehnen. Zwei Männer kämpfen um eine Frau, was zu einer Katastrophe führt. Der Japaner sucht den Künstler auf, weil sie beide die gleiche Vision hatten, wird jedoch abgewiesen. Die Zukunftspersönlichkeit des Japaner kehrt in die Vergangenheit zurück, um einen anderen Helden dazu zu bringen, etwas zu tun, das vielleicht die Welt rettet und ihn wiederum in Kontakt mit mehreren anderen Helden bringt. Und dann ist da natürlich noch der Mörder, der Leuten die Köpfe aufschneidet und ihre Gehirne klaut.

Wie Blu:RayNe schon in einem anderen Post kommentierte: Fast 90 % aller Filme und modernen Serien sind so aufgebaut, doch „Heroes“ demonstriert den Aufbau besonders deutlich. Und wer keinen Bock auf Analysen hat, der kann immer noch Handlungsstränge, Personen oder Organisationen für die eigenen UA-Kampagne übernehmen.

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