Hunter S. Thompson

„Renn um dein Leben, Sportsfreund, denn das ist alles, was dir bleibt.“   aus: Der Fluch des Lono

Hunter Stockton Thompson (* 18. Juli 1937 in Louisville, Kentucky; † 20. Februar 2005 in Woody Creek bei Aspen, Colorado) war ein journalistischer Berserker, er war Mr. Fear-and-Loathing und ein kleiner verdammter Bastard. Zumindest in den Augen vieler US-Amerikaner.

(c) Ramdani 2013Mit zehn Jahren gab der Sohn einer hoch gebildeten Südstaatenfamilie seine erste Zeitung heraus; mit Anfang Zwanzig trat er den Süßigkeitsautomaten einer Provinzzeitung zusammen und verabschiedete sich damit für immer vom traditionellen Journalismus. Thompson begann Ende der 1950er Jahre seine offizielle Karriere als Sportreporter, war als Südamerika-Korrepondent unterwegs und ging Ende der 1960er Jahre zum damals frisch erschienenen „Rolling Stone Magazine“. Er wurde zum Chronisten dessen, was man später Gegenkultur nennen würde: Er fuhr mit den Hell’s Angels, schrieb seinen Bestseller „Fear and Loathing in Las Vegas“ und half dabei, den von ihm gehassten Richard „Milhous“ Nixon, den er „das Böse“ nannte, aus dem Präsidentenamt zu jagen. (Jahre später revidiert er sein Urteil und schreibt, dass Nixon neben George W. Bush wie ein gemäßigter Liberaler anmute.) Den Jahrhundertboxkampf Muhammad Ali gegen George Foreman im Dschungel von Zaïre versäumte er, weil er neben einem leeren Cannabis-Beutel in einem Hotel-Swimmingpool trieb.  Dies alles liess sein Image als Ikone der Gegenkultur und Rockstar der Schreiberlinge natürlich noch mehr leuchten.

Gonzo
In dieser Zeit schuf er sich seine persönliche Form, den von ihm so genannten Gonzo-Journalismus, in dem sich reale Erlebnisse, soziale und politische Analysen mischen mit fiktiven Geschehnissen, Polemik und Drogenvisionen. Es war eine Methode, bei der sich der Autor so tief wie möglich in das Geschehen verwickeln lässt und sich sogar komplett zum Zentrum der Geschichte macht. Gonzo wurde zu seinem Pseudonym und Markennamen.

Bereits 1979 wies „Webster’s Dictionary“ den Begriff „Gonzo“ als „bizarre, hemmungslose Form von subjektivem Journalismus“ aus.

Fear and Loathing
Sein Hauptwerk war „Angst und Schrecken in Las Vegas“, erschienen 1971. Diese abstruse, weitgehend fiktive Drogenstory ist sowohl wirrer wie irrer Abgesang auf die 60er-Jahre und die Idee eines offenen, jungen und gestaltbaren Landes. Fakt und Fiktion gehen hier nahtlos ineinander über und das mit bösem Humor, Härte und Leidenschaft. Die geniale Verfilmung von Terry Gilliam aus dem Jahr 1998 zeigt in der Hauptrolle Johnny Depp als Raoul Duke, der dem Erscheinungsbild und Verhalten des damaligen Hunter S. Thompson sehr nahe kommt. Der Autor, welcher zumeist Khaki-Shorts und Safarijacke trug, soll auf seine Mitmenschen bisweilen mit Injektionsspritzen, Elektroschockern, Golfschlägern, Schrotflinten oder Reizgas losgegangen sein.  Er liebte zudem alles, was mit Geschwindigkeit zu tun hatte. Drogen und Alkohol fielen genauso darunter wie Motorräder und Waffen.

(c) AP 1972Das Ende
Am 20. Februar 2005 schoß er sich auf der Owl Farm in Woody Creek, Colorado, eine .45 Kugel in den Kopf. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: „Keine Spiele mehr, und keine Bomben. 67, das sind 17 Jahre nach 50. 17 mehr, als ich brauchte oder wollte. Entspann dich – es wird nicht weh tun.“

Seine Asche wurde wunschgemäß in alle Winde verstreut: Freunde stellten eine 47 Meter hohe Kanone in den Garten seines Anwesens. Die sterblichen Überreste des Schriftstellers wurden in 34 Feuerwerkskörper verpackt und in den Abendhimmel geschossen

Hunter S. Thompson im okkulten Untergrund
Wer sich im amerikanischen Untergrund herumtreibt und neugierig ist, bekommt natürlich auch bald Wind vom okkulten Untergrund. Und Menschen wie Thompson voller Obsessionen und Symbolismen generieren Macht. Nicht umsonst nennt er sein Alter Ego in „Fear and Loathing in Las Vegas“ Duke. Zudem ist es interessanter Fakt, dass sich das Wort „Gonzo“ von dem frankokanadischen Wort „gonzeaux“ ableitet und in etwa „leuchtender Pfad“ bedeutet. Dies ist jedoch nicht der leuchtende Pfad, den die Jünger des Kabbala beschreiten würden, sondern ein Pfad des Avataren des Boten. Der Gonzo-Bote hat erkannt, dass der Bote, der die Wahrheit überbringen will, nur der Bote sein kann, der die Wahrheit wirklich kennt, da er sie selbst erlebt. Nur dadurch, dass er direkter Zeuge des Ereignisses ist, kann er die Nachricht wahrheitsgemäss überbringen. Sobekommt die Nachricht erst die nötige Macht, die sich in ihrer geschriebenen Form ansatzweise zeigt, aber sich erst, in dem sie vom Boten selbst verkündet wird, voll entfaltet. Das Schreiben seiner Kolumnen sei Musik, hat Hunter S. Thompson mal gesagt, und dass man seine Texte laut lesen solle.

So sind Seiten mit Originaltexte von Hunter S. Thompson im okkulten Untergrund eine vielgesuchtes Ritualkomponente bei allem, was mit dem Aufdecken von Wahrheiten zu tun hat und das Gonzo-Museum in Aspen, Colorado ist besser gesichert, als es zunächst den Anschein hat. Insbesondere das nie erschienene Buch „Polo is my Life“ wird von Mitgliedern der Sekte der nackten Göttin verzweifelt gesucht, da sie sich Hoffnung machen, dass dort IHR „wahrer Name“ steht.

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