I am not a number; I am a free man!

„The sky is the limit. Be seeing you!“ – Patrick McGoohan

Heute ist Patrick McGoohans Geburtstag und Gelegenheit sich seiner und seiner bahnbrechenden Serie „The Prisoner“ zu erinnern. Die in Deutschland unter dem Namen „Nummer 6“ bekannte Serie war die Idee ihres Hauptdarstellers, Coproduzenten und teilweise Regisseurs Patrick McGoohan. Er wurde in New York als Sohn irischer Eltern geboren und streng katholisch erzogen. Er hätte einmal Priester werden sollen. Die Familie siedelte nach Europa um. McGoohan schlug sich mit diversen Jobs durch, bevor er ans Theater kam. 1954 stand er zum ersten Mal in einer Nebenrolle vor der Kamera und trat danach in zahlreichen und hierzulande mehr oder weniger bekannten Streifen auf, bald auch im noch jungen Fernsehen. McGoohan wurde 1960 durch seine Rolle als „Danger Man“ (dt. „Geheimauftrag für John Drake„) für eine Zeit lang sogar zu einem der bestbezahlten Schauspieler in England. Bekannte Kinofilme mit Patrick McGoohan sind „Eisstation Zebra“ (Ice Station Zebra, 1968), „Trans-Amerika-Express“ (Silver Streak, 1976), „Flucht von Alcatraz“ (Escape from Alcatraz, 1979), „Braveheart“ (1995) und „Hysteria“ (1997). Für die Fernsehserie „Columbo“ mit Peter Falk, für die er sich sehr engagierte, fungierte McGoohan zudem als Regisseur wie auch als Mitproduzent. Darüber hinaus trat er selbst in vier Episoden der Serie als Täter auf. In David CronenbergsSCANNERS“ spielte McGoohan 1981 Dr. Ruth, den zwielichtigen Erfinder eines Medikaments, das Telepathie hervorruft.

Seine berühmsteste Rolle ist und bleibt aber die des namenlosen Agenten in „The Prisoner“. Als dieser seine Agententätigkeit beim britischen Geheimdienst aus eigenem Antrieb beendet, wird er in einen abgelegenen Ort verschleppt und dort als „Nummer 6“ festgehalten. Gleich nach seiner Ankunft geht Nummer 6 durch den morgendlichen Ort. Er ist wütend, will wissen, wo er sich befindet. In einem Laden verlangt er eine Karte der Umgebung. Die erweist sich als Alptraum, perplex und beklemmend: Der Ort in dem er sich befindet wird als „The Village“ bezeichnet, das Meer als „Das Meer“, die Berge sind „Die Berge“ – die reine Tautologie: Alles ist bloß, was es ist. Taxis unternehmen nur örtliche Fahrten, öffentliche Telefone ermöglichen nur Ortsgespräche, auch Konservendosen tragen alle nur dasselbe „Village Food“-Etikett. Lautsprecherdurchsagen verbreiten gezielt Anti-Information, auch wo sie scheinbar sachbezogen ist. In amtlichem Ton wird bekanntgegeben, dass Eiscreme zu erwerben ist, „Heute mit Erdbeergeschmack“. Die Mitbewohner dieser Idylle begegnen einander unverbindlich und bedrohlich heiter mit der offiziellen Grußformel des Ortes: „Wir sehen uns!“ Die Frage nach einem Draussen stellt sich nicht mehr.

Damit beginnt für 17 Folgen der Versuch des namenlose Agenten aus diesem Irrsinn zu entkommen. Der oft wechselnde Leiter des Ortes, Nummer 2, versucht in jeder Folge, den Grund für die Kündigung herauszufinden. Im Gegenzug versucht Nummer 6, die Identität des Oberhauptes, Nummer 1, herauszufinden und dem Ort zu entkommen. Dabei sind permanente optische und akustische Überwachung der persönlichen Sphäre, chemisches und psychisches Brainwashing, medizinische Experimente allgegenwärtig. Immer wieder Thema sind Persönlichkeitsspaltung bzw. –verdopplung, Body-switch, Verstandestransfer oder Persönlichkeitsveränderung durch Lobotomie. Und stetig die Paranoia, wem kann man vertrauen? Der ultimative Mindfuck! Die Serie weist bereits einige Merkmale der Postmoderne auf, auch wenn dieser Begriff zum Zeitpunkt der Produktion noch nicht etabliert war. Es war diese Mischung, die die Reihe anfangs zum Flop machte: keine echte Agentenserie, kein Love interest und ein unverständlicher Schluss. Dieselbe Mischung macht sie einige jahre später zum Kult.

The Village  (c) Kaid

Warren Ellis wurde eindeutig von „The Prisoner“ inspiriert, als er seine Desolation Jones Comics konzipierte. Hier ist es Los Angeles, das als Gefängnis für „Agenten im Ruhestand“ dient. DC Comics hat mit „The Prisoner: Shattered Visage„, eine 4-teilige Miniserie produziert, die “The Village” viele Jahre nach der Serie zeigt.  Man erfährt, dass der Ort 1966 von UN-Truppen befreit wurde und seitdem verlassen war, bis auf einen besonderen Einwohner. Rollenspieltechnisch hatten sich Steve Jackson Games mit dem Thema befasst. „The Prisoner GURPS“ Sourcebook ist voller guter Ideen, wie man „The Village“ für ein Rollenspiel einsetzt und man stellt sich unwillkürlich die Frage, was mit all den Agenten geschieht, die nicht mehr für „Die Neue Inquisition“ arbeiten möchten. Be seeing you!

Nachtrag: Ein Großteil der Informationen ist von der deutschen The Prisoner Fan Seite nummer6-theprisoner.de kopiert. Hier findet sich noch mehr Infos zu dieser großartigen Serie.

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