Die Musik des Zufalls

„Ein ganzes Jahr lang war er nur kreuz und quer durch Amerika gefahren, während er darauf wartete, daß ihm das Geld ausginge.“
– Paul Auster, “Die Musik des Zufalls”

Die Musik des Zufalls (engl. Originaltitel: The Music of Chance) ist ein Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Paul Auster aus dem Jahr 1990,

Der Bostoner Feuerwehrmann Jim Nashe erbt unerwartet eine Summe von 200.000 Dollar und wagt einen Aufbruch ins Ungewisse. Mit seinem frisch erworbenen Auto fährt er auf der Suche nach sich selbst ein Jahr lang ziellos durch die USA. Als das Geld fast verbraucht und Jim schon wieder auf dem Nachhauseweg ist, gabelt er den Anhalter Jack kennenlernt, mit dem er sich nach anfänglichem Misstrauen anfreundet.

Jack, der mit Nachnamen Pozzi heißt,entpuppt sich als halb-professioneller Pokerspieler, der behauptet, so gut zu spielen, daß er in neun von zehn Fällen als Sieger aus dem Spiel hervorgeht. Er schlägt Nashe ein todsicheres Geschäft vor: Die leichtgläubigen Millionäre Flower und Stone haben ihn zu einem Spiel eingeladen und er wird ihren gemeinsamen Wetteinsatz mindestens verdoppeln. Doch die beiden sind nicht so naiv, wie sie vorgeben und am Ende stehen die beiden Geschäftspartner als Verlierer mit 10.000 Dollar Schulden da.

Nashe und Pozzi verpflichten sich mit ihrer Hände Arbeit, eine Mauer 10.000 Steinen zu errichten, die aus einem alten englischen Schloss stammen, das die exzentrischen Millionäre in Amerika wieder aufbauen wollen. Nashe und Pozzi werden in einen Wohnwagen einquartiert und dürfen das umzäunte Gelände nicht verlassen, bis sie ihre Schulden abgearbeitet haben.

Doch nach einigen Wochen schwerster Arbeit stehen Pozzi und Nashe plötzlich vor neuen Schulden: 3000 Dollar werden ihnen von ihren „Gastgebern“ für Essen und weitere Kosten berechnet. Sie erkennen, dass sie sich in einem Teufelskreis befinden. . Als Pozzi bei einem Fluchtversuch schwer verletzt abtransportiert wird, ahnt Nashe, dass auch sein Leben hier enden wird…

Die Mauer (c) Wendigogo 2014

Wie kann man ein solches Szenario in ein Unknown-Armies-Abenteuer umbauen? Die Bausteine sind gegeben.

Vielleicht treffen die Charaktere auf den Entropomanten Jack Pozzi, als sie ihn als Anhalter aufnehmen. Sind die Charaktere bereits Teil des okkulten Untergrunds, verrät er ihnen, dass er bei einem magischen Pokerspiel mitmischen will und die Charaktere noch einsteigen können. Ob mittels Magie oder durch seinen Überredungskraft überzeugt er sie, bei dem Pokerspiel mitzumachen. Vielleicht die einzige Möglichkeit für die Charaktere an ein bestimmtes Artefakt zu kommen, dass sie schon immer gesucht haben.

Ihre Gegner sind die beiden Plutomanten Flower und Stone, die ihnen mit genügend starken Ladungen und geeigneten Zaubern ihr Geld abnehmen und Pozzi und die Charaktere sogar zu ihren Schuldner machen.

Flower und Stones Plan: Sie wollen mit der Mauer einen eigenen Raum der Renuntiation erschaffen: den Raum der absoluten Freiheit. Hier wandeln sich Freigeister in Zwangsneurotiker, aber Adepten (wie Flower und Stones) können sich unbeschadet von ihrem Tabu befreien (so zumindestens ihr Plan). Die Steine stammen aus dem englischen Sitz des Schriftstellers Horace Walpole, dem 4. Earl of Orford , in welchem der Graf von Saint Germain oftmals Gast war. Die Geschichte weiß, dass Walpole 1747 ein kleines Landhaus in Twickenham an der Themse in der Nähe von London erwarb, das den Namen Strawberry Hill trug. Dieses Haus baute er in mehreren Phasen bis 1776 in ein bizarres gotisches Schloss um, bis es in Einzelstücken nach Amerika gebracht wurde.

Wie könne die Charakter daraus entkommen? Das Geheimnis liegt im Beatles-Song „Strawberry Fields.“ Der Text des 1966 aufgenommenen Liedes ist surreal und metaphorisch und gilt als Beispiel psychedelischer Popmusik schlechthin.

Let me take you down
‚Cause I’m going to Strawberry Fields
Nothing is real
And nothing to get hung about
Strawberry Fields forever
(…)
No one I think is in my tree
I mean it must be high or low
That is you can’t, you know, tune in
But it’s all right
That is I think it’s not too bad
(…)
Always, no sometimes, think it’s me
But you know I know when it’s a dream
I think I know I mean a yes
But it’s all wrong
That is I think I disagree

Wenn man nun auch noch die Bedeutung der Tarotkarte XII-Der Gehängte dazu nimmt – die Karte bezeichnet aber auch einen Neuanfang nach schweren Schicksalsschlägen, ein Umdenken, eine größere Veränderung der Lebensweise-, so ist der gemeinsame Selbstmord durch Erhängen am einzigen Baum, der in der Mitte des Bauplatzes steht, die schlussendliche Lösung. Dass durch das gemeinsame Gewicht der Erhängten der Baum umkippt und die Mauer zum Einsturz bringt, sollte der krönende symbolische Abschluss dieses Szenarios sein.

 

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Dies ist ein Artikel zum Thema Mauern für den aktuellen Karneval der Rollenspielblogs.

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