Das Muttersöhnchen

Eine aktuellen Nachricht aus der Sensationspresse

Ein Mann namens Thomas Prusik-Parkin hatte sich in New York jahrelang als seine tote Mutter ausgegeben, sich sogar als die alte Dame verkleidet! So kassierte der Sohn auf den Ämtern Sozialleistungen für über 100.000 Dollar ab.
Gruseilig: Prusik sieht sich selbst nicht als Betrüger, sondern glaubt, seine verstorbene Mutter zu sein. „Als meine Mutter starb, habe ich sie im Arm gehalten, habe ihren letzen Atemzug eingeatmet, also bin ich meine Mutter“, so der 53-Jährige vor Gericht.

  

 

Doch dabei handelt es sich nicht um einen Personomanten, der es ein bisschen übertrieben hat, sondern um ein verstörendes Nebenprodukt eines der ältesten Avatare.

Das Muttersöhnchen

I can’t see you mama
But I know you’re always there
Ooh to touch and to feel you mama
Ooh I just can’t keep away
It’s the heat and the steam of the city
Oh its got me running and I just can’t brake
So say you’ll help me mama
Cos its getting so hard
-Mama, Phil Collins

Der beste Freund für einen Mann ist seine Mutter.
-Norman Bates

Das statistische Bundesamt stellte kürzlich fest, dass knapp 1/3 der über 25jährigen in Deutschland (aber verstärkt auch in Italien, Japan oder den USA) immer noch bei Ihren Eltern  wohnen. Der Trend immer länger im so genannten „Hotel Mama“ zu bleiben, hat sich im Lauf der letzen Jahrzehnte immer mehr gefestigt. Meist sind es finanzielle Gründe, die zu diesen Zweckgemeinschaften führen, aber es gibt auch überfürsorglichen Eltern, die ihren Kindern möglichst lange alle Probleme aus dem Weg räumen wollen. Entwicklungspsychologen warnen inzwischen davor, typische Mutter-Sohn-Muster, die dem Alter nicht angemessen sind, zu lange aufrechtzuerhalten, weil die Männer zu wenig Freiheitswillen und Durchsetzungsvermögen entwickeln könnten.

Und so gibt es immer wieder Männer über Vierzig, die, adrett von Mutti eingekleidet, sozial ungelenk und mit meist nervösem Lächeln linkisch durch die Straßen der Stadt laufen.

Wenn dann das Unvermeidliche geschieht, und die Mutter stirbt, kann es passieren, dass das komplexe Gefüge der Beziehung und mit ihm, die geistige Gesundheit des Sohnes zerbricht. Dann liest man mit Grausen in Zeitungsberichten über Männer, die den Tod ihrer Mütter vor den Behörden verbergen, um weiterhin die Sozialleistungen zu beziehen oder ihre Form der Normalität zu bewahren. Die Leichen werden in der Kühltruhe aufbewahrt oder, wie im Falle des bekanntesten fiktiven Muttersöhnchens, Norman Bates, konserviert im Keller. Das Vorbild für die Figur Norman Bates war übrigens der mehrfache Serienmörder Ed Gains, der sich aus Leichenteilen Kleidungsstücke, vier Sitzbezüge für Korbsessel und neun Gesichtsmasken aus getrockneter Haut fertigte und dessen krankhaftes Verhalten begonnen hatte, als seine Mutter verstorben war, an welcher der Junggeselle emotional sehr hing.

In der Welt der Unknown Armies ist das Muttersöhnchen ein Akolyth des Archetypen der Mutter in ihrer schrecklichen Form, der Verschlingenden Mutter, sein. Man stelle sich einen fortgeschrittenen Archetyp vor, die plötzlich von einem Schlaganfall niedergestreckt wird. Ans Bett gefesselt und immer mehr von ihrem sozial-autistischen Sohn abhängig, verfällt sie körperlich immer mehr. Um kein Tabu zu brechen („eine Mutter, die gepflegt wird anstelle zu pflegen“), wird auf ärztliche Hilfe verzichtet. Doch in der okkulten Welt der Gottesläufer gibt es magische Mittel, um den Status Quo wieder herzustellen. Das brave Muttersöhnchen wird ausgeschickt, um die benötigten Zutaten zu besorgen und schon geistern in der Presse Nachrichten von seltsamen Einbrüchen und verstörenden Morden. Und das ausgetrocknete Mütterchen harrt, mit ihrer mumifizierten Hand an den Bettvorhängen kratzend, der Rückkehr ihres geliebten Sohnes.

Konzept: Das Muttersöhnchen, Akolyth der verschlingenden Mutter

Temperament:
Wut: Ausgelacht zu werden
Furcht: Mutter könnte sterben
Tugend: Familienleben

Attribute:
Körper (Kommt nicht viel vor die Tür) 40
Schnelligkeit (Nervös blickende Augen) 40
Verstand (Analytisch) 50
Seele (Kriecherisch) 10

Temperament:
Gewalt 4/2
Übernatürliches 0/4
Hilflosigkeit 2/0
Isolation 1/0
Identität 0/0

Fertigkeiten:
Körper: Einkaufstaschen nach Hause tragen 20%;  Töte, wenn Mutter es befielt* 40%
Verstand:  Einschätzen 40%; Fernsehserien-Trivia 20%; Taxidermie 33%

Aussehen:
Ein schüchterner Typ mit angeschlagener Psyche. Er trägt bräunliche Cordhosen, ein weißes Hemd und einen hellbraunen Pulli. Sein linkisches Auftreten ist verbunden mit einem nervösen Mundwinkelzucken.

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