Oliver Wintering

Berliner Straßenköter
-Nicht alle Macher laufen auf zwei Beinen herum.

Hintergrund
Es hätte nie geschehen dürfen. Kein Ritual, keine bekannte Schule, kein Avatar kann einen Hund dazu bringen zu reden und zu denken. Ungeachtet dessen spricht und denkt Oliver – und ist zusätzlich auch noch ein äußerst begabter Urbanomant. Es gibt wilde Spekulationen über seinen Werdegang: Einige glauben, dass er beim Aufstieg eines Gottläufers (wahrscheinlich dem des Wilden) genug Mojo abbekommen hat, um ein denkendes Wesen zu werden; andere vermuten, dass er die kranke Ausgeburt eines Fleischkneters oder einfach ein Dämon im Körper eines deutschen Schäferhundes ist. Selbst er weiß nicht, wie er dazu wurde – er kann sich nur schwer an die Jahre kurz nach seiner Erweckung erinnern, so wie man sich auch nur sehr schwer an seine Säuglingszeit erinnern kann. Er weiß allerdings genau, dass er sich einst daran erinnern konnte, wie es geschah – und das macht ihn seinerseits fast wahnsinnig. Wie auch immer, als Hund hat er seinen Platz gefunden und lebt wie ein König im okkulten Untergrund von Berlin.

Persönlichkeit und Spielwerte
Zynisch und sarkastisch und doch ganz Hund. Oliver ist, trotz seines Zynismus, eigentlich freundlich und liebenswert, wenn man erstmal über die „Er ist ja kein Mensch“-Phase hinaus ist. Seinen Verbündeten steht er loyal zur Seite.

Obsession: Die Straßen von Berlin für ihn und das Rudel zu einer sicheren Zuflucht zu machen Urbanomantie)
Furcht: (Hilflosigkeit) Gefangen und eingesperrt zu sein
Wut: Leute, die Tiere misshandeln. Dieses Gesocks hat nicht das Recht zu existieren.
Tugend: Adepten unterstützen. Das sind die Einzigen, mit denen man wirklich reden kann, und die Meisten sind echt nett.

Körper: 55 (Großer Hund) Sportlichkeit 20%, Sprung an die Kehle (Handgemenge) 55%, Groß und schwer zu bewegen 20%
Schnelligkeit: 45 (etwas unbeholfen) Ausweichen 27%, Initiative 40%, Schnell wie ein Windhund 40%
Verstand: 50 (Schlauer als der Durchschnittshund) Raubtiersinne (Wahrnehmung) 50%, Verbergen 15%, Okkultes Wissen 30%, Unerklärliches Wissen (Allgemeinbildung) 20%
Seele: 90 (schwermütiger Blick)
Auras schnüffeln 25%, Ausstrahlung 15%, Lügen 15%, Urbanomantie 70%, Wuff Wuff 25%

Raubtiersinne: Diese Fertigkeit gleicht mehr oder weniger der Fertigkeit „Wahrnehmung“ mit folgender Ausnahme: Oliver hat einen Malus von -15% auf visuelle und einen Bonus von +15% auf alle olfaktorischen Sinne.
Auras schnüffeln: Dies wirkt wie die Fertigkeit Aurasicht, allerdings nimmt Oliver die Aura als Geruch wahr, anstatt sie zu sehen. Oliver kann damit Leute mit starker Aura aufspüren, also zumindest alle Adepten, Avatare oder Thaumaturgen mit passenden Fertigkeiten von über 25%.
Wuff Wuff: Oliver kann – mittels einer Kombination aus Bellen und Körpersprache – immer noch normal mit anderen Hunden kommunizieren. Dies hat allerdings Einschränkungen. So kann er weder anderen Hunde das Sprechen beibringen, noch komplizierte Ideen mit ihnen austauschen, aber ein „Bewache diese Kiste bis der Mann, der nach Fisch riecht, kommt“ ist in Ordnung.

Gewalt: 2/0
Isolation: 0/2
Hilflosigkeit: 1/2
Übernatürliches: 3/1
Identität: 0/1

oliver

Magie
Urbomantie funktioniert bei Oliver, aufgrund seiner besonderen Art, ein wenig anders als gewöhnlich. Einer der signifikantesten Unterschiede liegt in seinem Tabu. Oliver hat keine Probleme mit dem Berühren der Erde unter dem Berliner Asphalt. Keiner weiß so genau weshalb, aber die meisten glauben, es hat was damit zu tun, dass Tiere näher am Busen der Natur leben und so – bla bla bla … schmierige Hippies. Falls er aber jemals seine Freiheit verliert – an die Leine gelegt, in einem Käfig eingesperrt, von einer Bärenfalle gefangen – so bricht das sein Tabu (und im letzteren Fall wahrscheinlich auch ein Bein).

Außerdem funktionieren einige der Sprüche auf eine andere Art und Weise. Zunächst werden seine Angriffszauber durch die Tiere der Stadt ausgeführt und nicht wie gewöhnlich durch seltsame Autounfälle oder herabfallende Gebäudeteile. Wenn er den Urbanomantenspruch Tiersicht ausführt, kann er neben Tieren auch Menschen als Träger nutzen, allerdings nur, wenn der Mensch dafür sein Einverständnis gibt. Der Spruch Lumpenkrieger gibt ihm keine Macht über die Obdachlosen in der Stadt, sondern über die wilden Hunde. Diese haben dann, je nach Größe und Rasse, Körper- und Schnelligkeitswert zwischen 30 und 50 und Verstandeswerte zwischen 10 und 30.

Ladungen sind etwas mühseliger zu bekommen. Schwache Ladungen sind ziemlich einfach – er muss nur für einige Stunden durch die Stadt laufen– aber starke Ladungen sind für einen Hund in der Stadt ein Problem. Glücklicherweise hat Oliver herausgefunden, dass Menschen, die er mittels Tiersicht nutzt und die eine Tat vollbringen, die einer starken Ladung würdig sind, diese Ladung an ihn transferieren (außer diese Person ist ebenfalls eine Straßenratte, dann hat sie den Vorrang). Auch in Verbindung mit dem Zauber „Napoleon von Notting Hill“ bekommt er im Laufe von ein, zwei Monaten die eine oder andere starke Ladung. Trifft man in der Stadt auf ihn, so hat er für gewöhnlich 4 bis 5 schwache und eine starke Ladung.

Besitztümer
Oliver hat nicht viel bei sich. An seinem Halsband hängt, neben einem Namensschildchen, das ihn als REX ausweist, eine gültige Hundemarke, die die Hundefänger auf Abstand hält, und ein Glücksbringer, der noch drei seiner ehemals vier Ladungen enthält. Irgendwo in den Hinterhöfen Berlins ist sein Unterschlupf, zusammengesuchte Fundstücke aus den städtischen Mülltonnen, in denen er einiges an Futter, etwa hundert Euro in kleinen Scheinen und einige Bücher und Zeitschriften lagert.

Verbündete
Olivers Hauptverbündete sind die Mitglieder seines Rudels – ein loser Haufen, den er anführt. Die meisten sind streunende Hunde, die ihn als Alphatier akzeptiert haben, aber auch einige Obdachlose – darunter auch der ein oder andere Adept – arbeiten für ihn. Das Rudel ist nicht groß, es hat kaum Macht und es lässt Mak Attax perfekt organisiert erscheinen, aber es ist halt Familie.

Oliver hat allerdings auch einige Freunde, die was auf dem Kasten haben, die etwas weniger verzweifelt sind als der Rest und bei denen er vor allem noch einige Gefallen gut hat. Der von wenigen Gewissensbissen geplagte Doktor Von Hohenheim, ein Avatar des Heilers, ist mit ihm befreundet und hat Oliver nach einigen Kämpfen wieder zusammengeflickt (für dessen Ausgaben geht auch das meiste von Olivers Geld drauf). Das naive Entropomantenzwillingspaar Alexa und Elli hängen sich manchmal ans Rudel, auf der Suche nach dem besonderen Kick, was nicht nur Oliver manchmal bedenklich stimmt. Und schließlich gibt es da noch den Urbanomantenkollegen Karl Mortiz, der dem Straßenköter schon mehr als einmal geholfen hat, indem er die Berliner Hundeverordnung schwammig hält oder ihm, wenn mal wieder Not am Hund war, die eine oder andere starke Ladung überlässt.

Oliver hat sogar schon mal den Grafen de Saint-Germain getroffen, als der erste und letzte Mann auf Tour in Deutschland war und das hat ihn den letzten Nerv gekostet. Nicht, dass er irgendwas gegen den Grafen hätte, aber irgendwas an ihm brachte seine Nackenhaare dazu sich aufzustellen. Der Graf seinerseits fand die Idee eines sprechenden Hundes mehr als amüsant und schien Gefallen an Oliver zu finden. Glückspilz.

Die Seelenfrage
Nach den Unknown-Armies-Regeln haben Tiere keine Seele. Inwiefern dieses auf Oliver zutrifft ist Sache des Spielleiters. Hier nun einige Optionen über die Natur dieser hündischen Seele.
# Eine eigene Seele: Als Oliver mit dem Denken angefangen hat, hatte er auch eine Seele – das Eine geht wohl nicht ohne das Andere. Nach seinem Tod wartet das Jenseits auf ihn und er könnte der erste hündische Dämon der Welt sein (viel Spaß für die Suffnase, die ihn als erster beschwört). Falls er sich dazu entschließt, könnte er sogar der erste Avatar eines neuen Archetyps werden, der des Hundes.
# Eine geborgte Seele: Oliver hat eine Seele, aber es ist nicht seine eigene. Vielleicht ist er ein Dämon, der in einen Hund fahren wollte und dabei sein Gedächtnis verloren hat, oder vielleicht hat einer der Macher des Okkulten Untergrundes seineSeele an Oliver gebunden, die Quelle seines Geistes und seiner Kräfte. Oliver kann alles machen, was man mit einer Seele so machen kann, aber irgendwann könnte der Moment kommen, in dem der Körper die geborgte Seele abstößt, die sich in Nichts auflöst.
# Keine Seele: Wie jeder andere Hund hat Oliver keine Seele. Was immer ihm ein Bewusstsein gab, machte ihn nicht zu einer vollständigen Person. Wenn er stirbt, dann war’s das – keine Rückkehr als Dämon, kein Jenseits, nichts. Genauso wenig kann Oliver ein Avatar werden oder gar in den unsichtbaren Rat aufsteigen.

Der mit dem Wolf tanzt (Szeanarioidee)
Oliver sucht die Hilfe der Spielercharaktere. Seit einigen Tagen schleicht ein Werwolf durch Berlin und versetzt die Einwohner in Angst und Schrecken. Die streunden Hunde der Stadt drehen am Rad und behaupten , dass ein seltsam richendes Wesen auf allen Vieren durch die Stadt stromert und ihnen ihr Futter aus den Mülltonnen stielt. Auch die Zeitungen berichten derzeit noch amusiert von Werwolf- oder Yeti-Sichtungen. Aber die Gefahr droht, dass das Wesen doch noch agressiver wird…

Die Spur führt zum 14. Interkulturelles Schamanen Festival am Prenzlauer Berg. Neben Huichol-Schamanen aus Mexiko, Himalaya-Schamanen aus Nepal und die Kofanes-Heiler, findet sich hier in einer der Jurten auch ein alter Schamane eines Apachenstammes aus Mexiko. Er hat es geschafft, einen Dämonen in sich aufzunehmen, der nun mit ihm als „Kojote“ des Nachts die Gegend durchstreift.

Dieser Dämon ist ein Brandopfer aus dem Jahr 1798 als die „Irrenanstalt“ in der Berliner Krausenstraße völlig ausbrannte und ein Teil der Kranken in der Charité untergebracht wurden. Hier verstarb er unter Qualen und geisterte seither in Prenzlauer Berg.

Glücklicherweise ist dieser „Medizinhund nicht sehr ausdauernd, wenn es um Beutefang geht, verliert er schnell die Lust und lässt sich immer wieder von anderen Dingen ablenken.
Doch obwohl er sich mitunter selbst austrickst, überlebt er fast jede noch so verzwickte Situation [Regeltechnisch benutzt er die Gaben des Avataren des Narren].

Bemerkung: Oliver basiert auf einem Artikel von Robert Vance aus dem amerikanischen UA-Forum, weitere Szeanarioideen zu Oliver findet ihr im Kassiber Nr.3.

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Dies ist ein Artikel zum Thema Tiere im Rollenspiel für den aktuellen Karneval der Rollenspielblogs.

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