Quisquilaemanten

Genannt Messies, Müllmagier oder Ekelpakete

Obdachlose, Clochards, Penner, Herumtreiber, Tramps… sie haben viele Namen. Sie sind die Ausgestoßenen unserer modernen Wohlstandsgesellschaft, und wenn man nicht einfach über sie hinweg blickt, wird man sie meistens mit einem gewissen Ekel betrachten. Ihre Heimat sind die verdreckten Seitenstraßen, wo sie sich mit Müll und Abfällen bedecken, um sich ein wenig zu wärmen. Sie sind die Fußabtreter der Arroganten, die Boxsäcke der Aggressiven, das Erschauern der Selbstgefälligen. Sie waren die leichten Opfer der Menschen und der Städte, für die niemand wirklich eintrat.

Doch es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis einige unter ihnen erkannten, dass ihre Art zu leben ihnen auch Macht verleihen konnte. Der Abfall der Stadt wurde ihnen zum Gehilfen, das Leben in der Gosse wurde zur Macht.

Sie hatten nicht viel, doch wenn sie dieses wenige bei sich behielten, sammelten sie mehr und mehr Macht, bis es ihnen gelang, die Wirklichkeit zu beeinflussen. Sie konnten sich gegen die Unbill des Lebens verteidigen und sogar zurückschlagen. Nicht jeder Obdachlose ist ein Zauberer, und die Mächtigen von den Machtlosen zu unterscheiden ist für einen Unwissenden häufig schwer. Doch allein die Befürchtung, es könne sich bei dem verwahrlosten Mann auf der Straße um einen der im okkulten Untergrund gefürchteten Abfallzauberer handeln, hat vielen Obdachlosen etwas mehr Ruhe und Frieden verschafft.

Der Ausdruck „Quisquilaemant“ ist übrigens unter den Müllmagiern selbst nicht gebräuchlich, sondern wird vor allem von denen benutzt, die sich auf akademische Art und Weise mit Magie befassen. Viele der Abfallzauberer sind nicht sonderlich gebildet, da sie ihre Jugend häufig eher auf der Straße als auf der Schulbank verbracht haben. Ihre besondere Macht beruht darum eher auf einem natürlichen Verständnis der Magie, weniger auf einer gezielten Vermittlung von Wissen.

Angriffszauber der Quisquilaemanten: Quisquilaemanten sind die Herrscher des Mülls, aber auch des Verfalls. Wenn sie kämpfen wollen, werden sie diese Macht nutzen.

Um jemanden anzugreifen, kann der Magier eine wahre Lawine aus Müll entfachen, wenn nur genug Abfälle in seiner Nähe sind. Wie sehr diese einen Gegner jedoch verletzen, hängt ganz davon ab, welcher Art der Müll ist. Zerfetzter Metallschrott tut nun mal mehr weh als  gesammelte Joghurtbecher

Wenn ein Objekt dem Verfall unterliegt, kann der Quisquilaemant diesen beschleunigen oder überhaupt erst herbeiführen. Eine Pistolenkugel, deren Pulveranteil nass geworden ist, lässt sich nicht mehr abfeuern. Ledergürtel können reißen und ihren Träger zu Fall bringen. Mit starken Ladungen lässt sich sogar ein aus Holz oder korrodierbarem Metall gebautes Objekt in kurzer Zeit zerstören. Gegen Lebewesen lässt sich die Macht eines Quisquilaemanten nicht einsetzen!

Tabu: Ein Müllzauberer kann nichts wegwerfen. Er wird deshalb mit der Zeit immer mehr Dinge bei sich führen oder sie in einem geheimen Unterschlupf verbergen. Viele Quisquilaemanten sind darum immer mit vielen Rucksäcken, Taschen und Plastiktüten unterwegs oder transportieren große Mengen weggeworfene Dinge in Einkaufswagen oder ähnlichen Gefährten.

Für niemandem außer dem Magier haben diese Dinge irgendeinen Wert, doch für ihn stellen sie die Grundlage seiner Persönlichkeit und seiner Macht dar. Verliert er Teile seiner persönlichen Abfallsammlung, geht mit jeder Tüte oder einer vergleichbaren Menge an Müll mindestens eine schwache Ladung verloren.

Spontane Zauber: Müll ist das Leben eines Quisquilaemanten, und mit ihm beschäftigt sich auch hauptsächlich seine Magie. Wann immer er Müll in seiner Nähe hat, kann er diesen benutzen.

Er kann einen Gegner zu Fall bringen, indem plötzlich ein Stück Abfall zwischen seine Beine gerät, das zuvor anderswo lag. Heranfliegende Objekte könnten in herumfliegenden Müllsäcken steckenbleiben oder zumindest von ihnen abgelenkt werden.

Die Abfallzauberer haben zudem eine besondere Verbindung mit den Tieren, die im Müll leben: Ratten, Mäuse, Schaben, einige Vogelarten. Auch sie werden sich einem magischen Befehl des Zauberers unterwerfen, solange die angeforderte Handlung ihrer Natur und ihren Fähigkeiten entspricht.

Der Ende Oktober erscheinende Kassiber hat zum Thema „Der Müll, die Stadt und der Tod“. Hier eine Kostprobe zum Thema „Müll“ von Ralf Sandfuchs

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