Review : Black Box

„Wenn ich groß bin, werde ich ein Spaghetti-Schnitter. Das ist ein guter Beruf, Spaghetti-Schnitter. RP 50. RP 50. RP 50. Holzkopf! Holzkopf! So hat sie mich immer genannt, die alte Hexe! Holzkopf! Es gibt kein Texas. Sie hat mich vergewaltigt. Kinder sind heilig. Kleiner Scheißer. Sylvain Ganem will mich umbringen.“

Das sind die Worte, die den aus dem Koma erwachten Arthur Seligman in „Black Box“ beschäftigen. Als er nach einem Unfall im Krankenhaus erwacht, steht er vor einem Rätsel: Was hatte er mitten in der Nacht auf einer Straße in der Nähe von Cherbourg zu suchen? Die Krankenschwester Isabelle hat alles, was er im Koma gesagt hat, notiert, und mit Hilfe ihrer Aufzeichnungen sucht Arthur nun den Zugang zu seinem Unterbewusstsein.

Wie eine Mischung aus David Lynchs „Lost Highway“ und Alejandro Amenábars „Abre los ojos“ (für die USA neuverfilmt als „Vanilla Sky“) erzählt der französische Regisseur Richard Berry einen – vor allem in visueller Hinsicht herausragenden – faszinierenden Mysterythriller.

Die erste Hälfte des Films wird in überwiegend kraftlosen dunklen Farben präsentiert, die stets ein wenig dreckig erscheinen. Die Schnitte und Szenenwechsel erfolgen schnell, weswegen es keinen sanften Erzählfluss in der Geschichte zu geben scheint. Doch es gibt einen Grund hierfür, der mit der zweiten Hälfte des Filmes offenbar wird. Ab hier werden die Bilder in den Farben natürlicher und auch der Erzählfluss wird wesentlich flüssiger. Figuren aus der ersten Hälfte des Films tauchen zu diesem Zeitpunkt erneut auf, allerdings in anderen Funktionen und teils auch mit anderen Verhaltensmustern. Auch wenn der Film mit Beginn der zweiten Hälfte sich immer weiter vom Mysteriösen entfernt, bliebt er doch ein interessantes Beispiel des Genres „Mindfuck“ und hat einen Platz in der Unknown-Armies-Videotek verdient.

Insbesondere Interessierte am Thema Personomantie können einiges über Traumakerben bei Identität und Hilflosigkeit erfahren. In jedem von uns leben drei Personen: der Mensch, der wir sein möchten, der, der wir zu sein glauben, und der, der wir wirklich sind. Für den Helden in „Black Box“ ist die leidliche Stunde gekommen, in der diese drei Personen knallhart aufeinanderprallen.

Black Box (La Boite noire)
Frankreich 2005
Regie: Richard Berry
Buch: Eric Assous
Cast: José Garcia; Marion Cotillard; Michel Duchaussoy

You-Tube-Trailer (frz.)

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