Review: Freeze Frame

Seitdem Sean Veil vor zehn Jahren vom Verdacht des Dreifachmordes freigesprochen wurde, lebt er in einem ehemaligen, gut verriegelten Fabrikgebäude in London und filmt jede Sekunde seines Daseins mittels mehrere Dutzenden von Kameras, die wirklich jeden seiner Schritte aufzeichnen. Sein selbsterdachtes Motto dabei lautet „Off camera is off guard“. Selbst ausserhalb seiner Wohnung nimmt er sich mit einer am Körper festgeschnallten Kamera auf und achtet penibel darauf, immer rechtzeitig die Bänder zu wechseln.

ParanoiA setzt die Fähigkeit zu DenkeN außer Gefecht. Ich kann noch dENKEn, also bin ich nicht pARANOId !“

Aber obwohl Sean offiziel freigesprochen wurde, gibt es Menschen, die nach wie vor von seiner Schuld überzeugt sind – dazu zählt auch der inzwischen berühmt gewordener Profile Saul Seger, der pünktlich zum 10. Jahrestag des Familienmordes mit einem weiteren Buch neue Beweise vorbringen will. Er und der todkranker Detective Louis Emeric haben es sich zur Aufgabe gemacht, Veil hinter Gitter zu bringen. Als sie ihn erneut des Mordes beschuldigen, fehlen Sean die entscheidenden Aufnahmen, welche seine Unschuld beweisen sollten. Lediglich die Reporterin Catie Carter scheint auf seiner Seite zu sein, doch ihre Gründe liegen im Dunkeln.

Der Storyansatz der freiwilligen, absoluten Selbstopferung für das perfekte Alibi wird auf eine interessante Art und Weise angegangen: immer wieder unterbrechen Seans Merksätze den Verlauf der Handlung und er macht sich mnemotechnische Notizen. Den Zuschauer versetzt diese Erzählweise direkt in den Kopf des Protagonisten und lässt ihn somit ebenfalls zum paranoiden „Freak“ werden. Der Zuschauer ist zerissen, Sean tatsächlich als paranoiden Massenmörder zu sehen, während man gleichzeitig nicht umhin kommt, ihm und somit an eine Art Verschwörung zu glauben. Nach dem Auseinanderbrechen von Veils perfektem Überwachungszustand brechen gefährliche und aggressive Wesenzüge aus ihm heraus. So und nicht anders stellt man sich einen von starkem Verfolgungswahn geplagten Menschen vor, dessen schlimmste Befürchtung wahr geworden sind.

„Ich habe keine wAHNVORSTELLUNGEn, also bin ich auch nicht sonderlich mISSTRAUISCh. Eventuell bin ich fEINDSEELIg, aber nur, weil DiE dA dRaUßEn mich drankriegen wollen.“

Die an Memento (2000) oder The Machinist (2004) erinnernde Handlung hinterlassen zusammen mit der an Blair Witch Project (1999) erinnernden Kameraführung einen tollen Eindruck. Um ein bestmögliches Bild von Veils kalter Umgebung zu vermitteln, versieht der Autor und Regisseur John Simpson die düstere Handlung mit entsprechender Kulisse und scheinbar gleichgültigen Charakteren. Beinahe monochrom sind die Aufnahmen, die Bilder mehrheitlich in kalten Grau- und Blautönen gehalten. Freeze Frame ist in Summe ein mit sehr beklemmender Atmosphäre daherkommender Psycho-Thriller in bester Kafka-Manier mit einer durchdachten, kühlen Optik und einer mysteriösen Story.

Für den „Unknown-Armies“-Fan ist Freeze Frame ein Vorbild für die Darstellung von extremen Obsessionen. Sean zeichnet krankhaft jede Minute seines Lebens auf, führt manisch Selbstgespräche und rasiert sich regelmäßig sämtliche Haare ab, um nirgendwo DNA-Spuren zu hinterlassen, die man gegen ihn verwenden könnten. Wer jemals einen paranoiden egomanischen Videomanten verkörpern möchte, sollte sich diesen Film anschauen.

Freeze Frame GB/Irland 2004
Regie: John Simpson
Cast: Lee Evans, Sean McGinley, Ian McNeice, Colin Salmon, Rachael Stirling

Link: www.freezeframethemovie.com

Trailer auf Youtube

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