Review: Human Target (Comic)

Christopher Chance ist ein Mann, der sich in jeden beliebigen anderen Menschen verwandeln kann. Er nutzt dies aus, um für seine Auftraggeber an deren Stelle sich der Gefahr eines Attentats oder sonstiger gefährlichen Situationen auszusetzen. Dabei nimmt er nicht nur das Äußere seiner Auftraggeber an, sondern er scheint wirklich vollkommen ihre Rolle zu übernehmen.

Christopher Chance erblickte das Licht der Comic Book-Welt 1958 in GANG BUSTER No.61. Er wäre ein längst vergessener One Shot, hätten ihn nicht Len Wein und Carmine Infantino 1972 neu belebt. In den frühen 1970ern diente er als Füllserie für Superman in der ACTION COMIC-Reihe. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnt wechselte er als Füllmaterial zu Batman in DETECTIVE COMICS. Zu seinen Zeichnern zählten Stars wie Neal Adams und Howard Chaykin.  Mit den Zeichnern Edvin Biukovic, Cliff Chiang und Javier Pulido legte Pete Milligan für DCs VERTIGO-Line 1999 schließlich eine beeindruckende Mini-Serie und 2003 eine Graphic Novel für erwachsenen Leser vor; und von 2003 bis 2005 gab es dann eine monatliche 21-teilige Heftserie, die jedoch selten die Qualität der ersten fünf Comics erreichte.

Diese neue Serie began 1999 mit dem Comic Human Target #1 of 4, in dem Chance einen Punkt in seinem Leben und seiner Karriere erreicht, an dem er sich seine Aufträge aussuchen kann.  Er wird für einen Monat zu Reverend Earl James, einem Mann Gottes, der seine Mitmenschen dazu auffordert, sich gegen die Flut der Drogen stark zu machen und der gegen die Dealer und deren Auftraggeber endlich vorgeht. Zwar versuchen ihn die Drogendealer direkt in der Kirche auszuschalten, doch gelingt ihnen dies nicht. Als Christopher wieder er selbst ist, hat er Schwierigkeiten, das Leben des Reverend aus seinen Gedanken zu vertreiben und versucht eine Frau aufzureißen, die ihn auf ganz andere Gedanken bringen soll. Die Frau ist schnell gefunden und scheint auch willig zu sein, doch leider versucht sie ihn mit einen Schuss in den Kopf zu erledigen. Die Frau ist eine Killerin namens Emerald, die den Auftrag hat, Christopher Chance zu töten. Doch ein Mann, dessen Auftrag Christopher vor einem Monat abgelehnt hatte und der in diesem Moment auftaucht, um ihm das Leben zu retten, behauptet, dass diese Frau auch ihm nach dem Leben getrachtet hat. Nun ist Emerald verwirrt, da sie niemals zwei Aufträge auf einmal annimmt und als der Fremde seine Gesichtsmaske abnimmt, ist sie noch mehr verwirrt und verläßt das Zimmer, da sie plötzlich vor zwei identisch aussehende Männer steht. Die beiden sind nun alleine und müssen nun untereinander klären, wer denn der echte Christopher Chance ist.

Wem nun spontan eine Assoziation zu einem typischen Erlebnis eine Personomanten im okkulten Untergrund hatte, wird verstehen, dass ich diese Miniserie für äusserst UA-tauglich halte.

Geschickt treibt der Autor Peter Milligan sein Spiel über die Identitätskrisen seiner Protagonisten und erschafft dadurch einen intelligenten Actionthriller in dem jeder so tut, als wäre er jemand anderes:  Ein Mann, der vorgibt Chance zu sein, der vorgibt jemand anderes zusein. Der Reverend, der tut als wäre er ein frommer Mann. Die Killerin, die gleichzeitig Vorstadthausfrau und liebevolle Mutter ist und nicht weiß, welche ihrer beiden Rollen die vorgeschobenen ist. Kaputte Typen in einer Welt voller tarantinoesquen Gewalt, in der nur gespaltene Persönlichkeiten die letzte Wahrheit hervorlocken können.

Ein besonders krasser (und sehr postmoderner) Moment entsteht, als einer der Hauptfiguren  an dem Tag, an dem sich die Welt für immer veränderte, seine Chance nutzt und verschwindet. Für alle, die ihn kannten, ist er zusammen mit vielen anderen in den Türmen des World Trade Centers umgekommen.

Seit Ende September 2010 wurde die US-amerikanische Fernsehserie, die lose auf den Comics beruht, auf ProSieben in Deutschland gestartet. Eine zweite Staffel ist bereits in Auftrag gegeben.

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