Review: Locke & Key

Locke & Key ist eine Comicreihe des Autoren Joe Hill und des Zeichners Gabriel Rodriguez. Die erste Reihe von sechs Heften „Welcome to Lovecraft“ startete im Februar 2008. Seit Januar 2009 erschien 6 weitere Hefte monatlich in der Reihe „Head Games“. Seit November 2009 läuft die dritte Reihe Crown of Shadows. Den Abschluss soll eine große Graphic Novel bilden, die dann im Februar 2011 erscheinen soll. In Deutschland wird „Locke & Key“ von Panini in der Form von 4 Softcover-Bänden vertrieben.

Keyhouse 

Ein altes Anwesen in Neuengland ist der Schauplatz des Comics. In dem Haus befinden sich Türen, die nicht nur zu anderen Räumen weisen. Sie verwandeln alle, die durch sie gehen. Doch der gewöhnliche Besucher ist nicht allein. Dieses Haus bietet einer hasserfüllten Kreatur Unterschlupf, die nicht aufgeben wird, bis sie die schrecklichste Tür von allen geöffnet hat.

Doch die fantastischen Elemente spielen nicht die wichtigste Rolle in der Geschichte. Viel wichtiger ist die emotionale Lage der Familie Locke, die nach der Ermordung des Vaters und einem brutalen Überlebenskampf der restlichen Familie gegen die Mörder, vor ihrem alten Leben in San Francisco an die Ostküste Amerikas an einen Ort namens „Lovecraft“, in genau jenes Anwesen namens „Keyhouse“, in dem einst der Vater lebte, flieht

Die Lockes können den Schreckensbildern in ihrem Kopf nur schwer entfliehen: Ty, der älteste Sohn, vergräbt sich in Arbeit und Grübeleien, von Selbsthass und Scham zerfressen, seine Mutter flüchtet in den Alkohol, Tochter Kinsey versucht, durch Anpassung aus der Welt zu verschwinden.

Der jüngste Sohn Bode hingegen verdrängt den Tod seines Vaters, er vertreibt sich die Zeit damit, Keyhouse zu erforschen. Er findet eine Tür, die einen, wenn man sie durchschreitet, in einen Geist verwandelt und seinen leblosen Körper an der Türschwelle zurücklässt. Schnell entdeckt Bode, was man als Geist so alles machen kann. Außerdem entdeckt er ein geheimnisvolles Geistwesen in einem Brunnen nahe dem Haus, das ihn bittet ihm heraus zu helfen, welches ein Teil des alten Familiengeheimnis ist.

Und schließlich entkommt Sam Lesser, der sadistischen Mörders des Vaters, aus dem Jugendgefängnis. Auch er scheint irgendwie mit übernatürlichen Mächten in Verbindung zu stehen.

Während jeder Einzelne von ihnen mit der Trauer unterschiedlich umgeht, merken die Familienmitglieder bald, dass sie Sam nur zusammen aufhalten können. Der Irre ist nämlich ebenfalls auf den Weg in Richtung Osten, um endlich jenen Schlüssel zu finden, mit dem das Wesen im Brunnenschacht fliehen kann.

Mirrors

Der Autor Joe Hill (nebenbei Sohn von Horror-Legende Stephen King), der seine Geschichte als eine Art modernes Grimm’sches Märchen beschreibt, schildert eindrucksvoll, wie der plötzliche Einbruch von Gewalt und Tod das Leben, Denken und Fühlen vor allem der jungen Protagonisten verändert. Darüber hinaus verschränkt er kunstvoll den realen Schrecken mit der übersinnlichen Bedrohung.

Die Horror-Elemente beschränken sich ja auf einige wenige recht deftige Gewaltszenen, die  so knapp dosiert sind und so unvermittelt daherkommen, dass sie umso größere Wucht entfalten. Von diesen Szenen abgesehen, erzählen Hill  und sein Zeichner Gabriel Rodriguez sehr ruhig, konzentrieren sich  auf ihre Figuren und deren Innenleben und wechseln regelmäßig die Erzählperspektive. So wird ein Kapitel aus Sicht  des ältesten Bruders Tyler erzählt, das nächste aus der Sicht seiner  Schwester Kinsey, und so weiter. So wird einem die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln serviert und man kann Blicke ins koplizierte Innenleben der Protagonisten werfen.

Ausschnitt

Diese Mischung aus mystischer Fantasy, hartem Thriller, Horror und Familiendrama in Comicform ist trotz des Ortsnamens „Lovecraft“, der eigentlich den kosmischen Schrecken des Cthulhu-Mythos erwarten lässt, ein klassisches Unknown Armies Setting mit Artefakten (die Schlüssel sind nicht die einzigen!), seelenwandelnden Dämonen (das Ding im Brunnen), obsessiven Psychokillern, Astralebenen, lebenden Schatten und, als Wichtigstes, der Mensch als auslösenden Faktor des Ganzen.

Steven Spielberg wird 2011, mit seiner eigenen Produktionsfirma Dreamworks TV in Kooperation mit 20th Century Fox, das Comic als Fernsehserie produzieren.

Die Pilotfolge soll ab Mitte Januar dieses Jahres in Pittsburgh unter der Regie von Film-Regisseur Mark Romanek (One Hour Photo) entstehen und im Laufe des Jahres in den USA ausgestrahlt werden. Es bleibt zu hoffen. dass Locke & Key damit eine größere Fangemeinde bekommt.

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