Review: The Filth (Comic)

Als ich wieder einmal versonnen in der Wühlkiste meines Comic-Ladens blätterte, fiel mir ein Comic in die Hände, dessen Titel mir als UA-Jünger in die Augen stach: Pornomancer. Es war Teil der Serie „The Filth“ und der Name des Autors kam mir bekannt vor. Ich kaufte das Schmuckstück für 1,50 Euro und nachdem ich es gelesen hatte, versuchte ich mehr über die Reihe heraus zu finden.

TheFilth

“The Filth” ist eine Miniserie für Erwachsene in 13 Kapiteln/Ausgaben, geschrieben von Grant Morrison, gezeichnet von Chris Weston und Gary Eskine, veröffentlicht 2002/2003 von Vertigo Comics und wenig später in Deutschland von Speed.

Grant Morrison (u.a. Autor von “Batman”, “Hellblazer” “The Invisibles”) ist allgemein bekannt für seine anti-sozialen Themen, für nicht-lineare Erzähltechniken, für psychedelische Einflüsse und dafür, dass seine Werke die abstrusesten Kontroversen lostreten. Eins seiner Lieblingsthemen ist der Zweifel an der Kontinuität der eigenen Identität.

Die Serie startet mit einem Blick auf das Leben des abgehalfterten britischen Rentners Greg Feely. Seine Frau ist schon seit Jahren tot, ihm ist nur noch seine Katze geblieben. Im Supermarkt um die Ecke verspottet man ihn aufgrund der gekauften Pornoheftchen. Und am Abend kann er nichts Anderes tun als sich auf diese Heften einen runter zu holen. Urplötzlich steht eine seltsame Dame in seinem Wohnzimmer und bringt ihn dazu, seine Para-Persönlichkeit Ned Slade, für die Feely nur ein Versteck war, aus der Nase auszubluten. Anschließend erklärt sie ihm, er sei Special Officer der „Hand“, einer Säuberungseinheit, die die Erde vor dem „Dreck“ schützt. Und er sei nun wieder im Einsatz…

In den kommenden Kapiteln wird Slade auf Anti-Personen, eine neue Lebensform namens I-Life, sowie auf den ersten Superhelden treffen, der imstande ist, die vierte Wand zu durchbrechen und sich seiner Existenz als Fiktion bewusst zu werden.

Der von mir erstandene Band „Pornomancer/Die Welt des Anders Klimakks“ handelt von einem Pornodarsteller namens Anders Klimakks, der völlig verwirrt auf einem Highway in LA aufgegriffen wird und aufgrund seiner „Spezialität“ – schwarzes Sperma – das Interesse der „Hand“ weckt. Es stellt sich heraus, dass er nach Beverly Hills kam, um dort in einem Film des Porno-Produzenten Tex Porneau mitzuarbeiten. Anders konnte fliehen, nachdem er den Plan Porneaus erfuhr: Wesenheiten, die aus Anders Sperma erschaffen werden, auf Beverly Hills los zu lassen, um das Zeitalter des Porno-Terrorismus einzuläuten und außerdem den ultimativen Hardcore-Porno zu drehen. In einer parallelen Handlung hat Greg Feely vollkommen andere Probleme: Die Polizei klopft an seine Tür, weil die Nachbarn ihn für einen pädophilen Perversen halten, der tote Kinder im Garten vergräbt. Auch wenn sich die vermeintlichen Kinderleichen als tote Katzen und Vögel entpuppen, findet man doch genügend belastendes Material, um ihn festzunehmen.

Leichte Kost sind diese Geschichte nicht. Auch ist The Filth nicht als Nebenbeschäftigung geeignet. Die vielschichtige Story fordert ständige Aufmerksamkeit. Am Ende wird zudem nicht alles aufgelöst, was wohl typisch für Morrison ist. Und auch wenn die hier beschriebenen Pornomanten nicht die aus dem Unknown Armies Grundregelwerk sind, so bieten sie diese von Obsessionen geplagten Charaktere genug Anknüpfungspunkte, um sie im okkulten Untergrund wieder zu finden.

Zu mindestens hat der Blick in Grant Morrisons Welt in mir den Wunsch geweckt sein Opus „The Invisibles“ zu lesen. Angeblich sei es sehr UA-tauglich.

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