Tage des Narren

„Der Narr sprach in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott.“
                                                                                             -Psalm 52

Im Mittelalter wurde eine Frucht ohne Kern, eine missratene Frucht „Narr“ genannt, also ein Körper ohne Geist und Seele, etwas Verkümmertes. Da Gott den Menschen laut der Bibel nach seinem Ebenbild erschaffen hatte, wurden nach dieser Logik all jene, die nicht dem Normbild der Gesellschaft entsprachen, die Verkrüppelten und geistig Zurückgeblieben, Narren genannt.

Da man nicht wusste, wohin mit ihnen, wurden sie in spezielle Narrenhäuser oder -türme gesteckt oder man jagte sie einfach aus der Stadt. Der Narr war damit also keineswegs eine Figur, die Späße machte, sondern eine überaus negative Gestalt. Der Narr galt als „Gottesleugner“, dadurch stand er dem Teufel nahe, der für den Ursprung aller Narrheit stand. Die Definition des Narren als Negativfigur und die vom Psalm 52 zugeordnete Aussage: „Non est Deus“ – „Es gibt keinen Gott“ stilisierte ihn schließlich zum Inbegriff der Gottesferne, der Sündhaftigkeit, der Erbsünde schlechthin.

So wurde der Narr gleichzeitig zu etwas sehr Düsterem. Auf vielen mittelalterlichen Darstellungen des Totentanzes wird der Tod als Narr dargestellt wird. So ist der Narr auch immer eine Metapher für die Vergänglichkeit (Vanitas) alles Irdischen- der Leib ohne Seele. In der heutigen Welt bleibt der Schatten dieser Darstellung in der Figur des Killer-Clown erhalten, der die krankhafte Form der Angst vor Clowns (die sogenannt Coulrophobie) begründet.

Narr

Im 14. Jahrhundert entstand dann der sogenannte “Künstliche Narr”, der sich von den geistig Kranken und Behinderten vor allem dadurch unterschied, dass er nur so tat, als wäre er „zurückgeblieben“ oder sogar “gemeingefährlich”. Der Beruf des Hofnarren war entstanden und diese Narren waren es auch, denen man nachsagte, sie hätten sehr viele Freiheiten, die nicht nur das Wort, sondern auch die Tat angingen. So entstanden Bräuche, in denen Menschen für wenige Tage zu einem solchen Narren werden konnten, ungestraft gegen Normen verstoßen oder einfach nur die Wahrheit sagen konnten.

Der bekannteste Brauch ist wohl der Karneval, das Ende der christlichen Fastenzeit vor Ostern, der seinen wirklichen Ursprung aber in den römischen Saturnalien hat. Wichtigster Aspekt dieses Fest zu Ehren Saturns war die Aufhebung der Standesunterschiede. Die Rollen in der Gesellschaft wurden umgekehrt, die Sklaven wurden zu Herren, und die Herren dienten ihren Sklaven. Auch sonst lockerte sich die Moral während dieser Tage. All das fand statt in einer Atmosphäre einer ungebremsten, ungezügelten Feier. Es hieß in der Saturnalia kommen selbst die Toten zurück auf die Erde.
Auch der Rosenmontag hat trotz der wörtlich genommen schönen Bedeutung nichts mit Blumen zu tun, sondern stammt aus dem Wort «Rasen» im Sinne von „rasend sein“, „toben“ oder auch „zügellos“. Natürlich spiegeln sich diese alten Traditionen im typischen deutschen Straßenkarneval nur gemildert wider, aber die uralten Rituale werden von einigen Mitgliedern des okkulten Untergrund in diesen Tagen wieder belebt.

Ein Coven von Dipsomanten und Avataren des Narren treffen sich im Rheinland bei einer stets ausverkauften Prunksitzung. Jeder von ihnen versucht von dort einen stark alkoholisierte „Narren“ des jeweils anderen Geschlechts zum Besuch einer rituellen Verbrennung einer „Strohpuppe“ zu überreden. Ein Konvoi von 33 Wagen mit je einem Fahrer und zwei Gästen wird daraufhin zu einem Feld unweit der Stadt geleitet, dort steigen die maskierten Pärchen aus und versammeln sich in einem Kreis um ein bereits hoch flackerndes Feuer. Aus dem dreizehnten Wagen steigt ein(e) Maskierte(r) mit einem menschengroßen Stoffsack mit aufgemaltem Gesicht über der Schulter aus und wirft ihn unter lautem Gelächter in das Feuer. Die Menge beginnt die Figur, die der „Zanjemän“ genannt wird, nun all der schlimmen Dingen anzuklagen, die sie selbst begangen haben („Wer hat Schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben? Wer hat Schuld, dass wir fremdgegangen sind? Wer hat Schuld, dass Alex uns nicht mehr vertraut?“) Alle so begangenen Sünden und Verfehlungen des letzten Jahres gelten damit als getilgt und die Wagen fahren wieder zurück in die Stadt und in die nächste Kneipe.

Helau und Alaaf!

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