UA 50ies – Shake, Rattle and Roll

UA 50ies – Die unbekannten Fünfziger

Als Alternative zum Postmodernismus des ausgehenden 20./angehenden 21. Jahrhunderts im Grundregelwerk wollen wir hier ein alternatives Zeitsetting für Unknown Armies vorstellen. Die Idee wurde aus dem Artikel über die Twilight Zone geboren.

Das Amerika der Fünfziger ist voller symbolischer Spannungen und Paradoxen. Grund dafür war die „Bombe“. Die Soldaten, die kurz zuvor aus dem 2. Weltkrieg zurückkehrten, sehnten sich nach einen ruhigen, normalen Leben. Doch gerade weil die Menschen verstanden, wie nah sie dem nuklearen Armageddon im Schatten der Bombe waren, gebar dieser Druck einen wenig rationalen, vielleicht sogar positiv irrationalen, Schaffensdrang.

Normalität, oder zu mindestens das Verlangen danach, war ein Schlüsselwort der amerikanischen Kultur dieser Zeit. Die Angst vor dem Unbekannten war gewaltig, insbesondere wenn man sie, wie auch immer, mit der roten Gefahr, dem Kommunismus, verbinden konnte.
Die Einsicht, dass die “Kommies” nicht die Guten waren, obwohl sie beim Kampf gegen die “Nazis” geholfen hatten, verwirrte die Leute. Die Ironie, dass die Amerikaner inzwischen mit deutschen Wissenschaftlern, die dem dritten Reich nahestanden, erfolgreich arbeiteten, war allgegenwärtig und doch unausgesprochen (Was uns zu der einen typischen Frage bei Unknown Armies führt: „Wie weit würdest du gehen, um Macht zu bekommen?“)

Gleichzeitig begann der Aufstieg der Subkultur: Sozialisten, Beatniks, Homosexuelle, Bürgerrechtsgruppen, Elvis Hüftschwung – all dies bedrohte den Status Quo und all jene, die hofften, die Normalität würde zurückkehren und die Bombe irgendwie verschwinden.

Und wie passen nun die klassischen Unknown Armies Charaktere in dieses Bild?

Der klassische Adept bildete eine Ausnahme im okkulten Untergrund dieser Zeit, statt dessen beherrschten Magier (inklusive ihrer dämonischen Helfern) mit ihren thaumaturgischen Ritualen die Szene. Einige waren bereits in Tibet, um die großen Gurus zu studieren. Dies waren noch keine geldgeilen Opportunisten, die reiche Jünger um sich scharen wollten, sondern schmutzige verarmte Fakire, die Erstaunliches leisten konnte. Sie brachten die Epideromantie nach Amerika.

Ein Haufen Nazis wurden mit dem Projekt Paperclip mitsamt ihrer aus dem alten Europa zusammengeklaubten Artefakten in die jungfräulichen USA eingeschleust. Einige der Artefakte requirierte die Armee und sie verschwanden in bewachten Lagerhallen inmitten der Wüste von Nevada. Sie unterstützten auch das amerikanische Militär und das CIA bei der Durchführung von Experimenten zur Gedankenkontrolle (MK Ultra) und der Fernwahrnehmung (Project Stargate).

Währenddessen beobachtete Fidel Castro Zigarre rauchend, wie kubanische Flüchtlinge Santeria ins brodelnde Miami brachten und die Voodookriege in Florida unterstützten.

Zeitgleich begann der Aufstieg des Satanismus und Anton Le Vays Popularität in den Prominentenkulten von Hollywood wuchs von Tag zu Tag. Jayne Mansfield wurde verflucht und einige Tage später wurde sie enthauptet. War es wirklich nur ein tragischer Unfall?

Aleister Crowleys Erbe ließ den Untergrund auch nach seinem Tod erbeben: Im März 1946 führten der Raketenforscher John Parsons (der vor jedem Raketenstart eine Invokation des Gottes Pan ausrief) und der Schriftsteller Ron Hubbard die sogenannten „Babalon Workings“ in der Mojave-Wüste in Kalifornien aus und empfingen das Liber Babalon, eins der meistgesuchtesten Texte im okkulten Untergrund der Fünfziger. Parsons selbst starb unter mysteriösen Umstände 1952 wahrscheinlich ohne jemals das Moonchild zu Gesicht zu bekommen, das in New York, in der Nähe des Central Parks, das Licht der Welt erblickte.

Kliomanten kamen im Eiltempo zu neuen historisch bedeutsamen Stätten, denn diese Epoche brachte in kürzester Zeit mehr davon ans Licht als jemals zuvor und das Fernsehen brannte sie schnell in das gemeinsame Gedächtnis der Nation (Die Kurve, in der James Dean seinen tödlichen Unfall hatte, das erste Disneyland wurde in Kalifornien erbaut, Raketenstartrampen und Dutzende von Atombombentestgelände). Das Fernsehen brachte dem Publikum natürlich auch die Persönlichkeiten der Film- und Musikprominenz nahe, die die Personomanten vereinnahmten.

Die Plutomanten erlebten eine Blüte mit der ersten Kreditkarte des Diners Club, die das Geld noch virtueller machte, während Howard Hughes sich in Las Vegas verschanzte und wochenlang mit Tarotkarten im Hotel Last Frontier um einen freigewordenen Platz im Unsichtbaren Rat pokerte.

Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung war auf dem Vormarsch, während der Ku-Klux-Klan mächtige Persönlichkeiten in seinen Reihen führte, die sich auch mit Okkultismus auskannten.
Die Strategie des zivilen Ungehorsams wurde 1957 von dem schwarzen Bürgerrechtler Joseph Abel, einem Mitstreiter von W. E. B. Du Bois, bald um die Möglichkeit erweitert, Gegner der Bewegung wie z.B. Mitglieder des KKK, durch Voodoo zu schwächen.

Die rechtsgerichtete antikommunistische John Birch Society kämpfte gegen die Illuminaten und brachten Unruhe in den okkulten Untergrund der Großstädte, während die Schläfer mit der Cosa Nostra kooperieren, in New York die „New Murder Incorporated“ initiierten und Adepten auf ihre Abschussliste setzen. Manche behaupten bis heute, dass es sich bei der NMI um ein Dutzend Avatare des Henkers handelte.

Unter den Gottesläufern wurde der Wanderer als der höllische Biker mächtig (die Hell’s Angels wurden 1948 gegründet) und das Space Race erschuf den Avataren des Mann im Mond, dessen Weg Yuri Gargarin als Erster folgte.

Carcinomanten waren der neue Hype. Diese seelenrauchenden Brüder der Dipsomanten schafften es, dass die Ergebnisse über die Verbindung von Krebs und Rauchen tief in den Schubladen der Wissenschaftler verbleiben und über die Werbung, Zigaretten mit den Worten Weltoffenheit, Wohlstand und Lebenskunst zu verankern.

Download: Charakterbogen UA 50er Jahre

Filmtipps:

  • Angel Heart, 1987, Horror, Voodoo, Satanismus auf dem Weg von New York nach New Orleans.
  • Die Nacht des Jägers, 1953, Die zwei unschuldigen Kinder eines hingerichteten Raubmörders, ein wahnsinniger Wanderprediger und eine irreale, beklemmende, manchmal schockierende Atmosphäre.
  • L.A. Confidential, 1997, Das LA Police Department, obsessive Polizisten und ein Prostitutionsring mit Doppelgängerinnen namhafter Hollywood-Schauspielerinnen, nach James Ellroys Roman.
  • Meine Braut ist übersinnlich, 1958, als romantische Komödie getarnter Blick auf die Hexen- und Beatnikszene in New Yorks Greenwich Village.
  • Nach eigenen Regeln, 1996, Das LA Police Department, eine tote Schauspielerin in der Wüste und die Nevada Test Site.
  • The Quatermass Xperiment, 1953, ein wahnsinniger britischer Astronaut und außerirdische Sporen, „Nur die Ausgeburt einer unmenschlichen Fantasie kann soviel Ekelhaftes zusammen konstruieren“, epd
  • Vertigo – Aus dem Reich der Toten, 1958, eine Geschichte um Tod und Wiedergeburt und den Obsessionen eines Mannes.
  • Alfred Hitchcock Presents, Serie 1955-1965, über 300 Kurzkrimis mit meist makabren Pointen.
  • Twilight Zone, Serie 1959-1964, psychologisch doppelbödige, sarkastische und bisweilen makabere Mystery-Geschichten aus dem „Zwischenreich, wo Licht in Schatten übergeht.“

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