Unknown Armies ist für mich …

… ein James-Ellroy-Roman verfilmt von David Lynch.

Man könnte aber noch andere Namen nennen: Tim Powers zum Beispiel. Viele seiner Romane sind Unknown Armies in Reinform (und lieferten Tynes und Stolze einige Ideen). Oder der Film „Very Bad Things“: Eine Junggesellenabschiedsparty löst sich in Chaos auf, als die bestellte Prostituierte auf einmal tot ist und die Gruppe versucht die Leiche loszuwerden. Noch ein Film: „Ein einfacher Plan“. Zwei Brüder finden 4 Millionen Dollar im Cockpit eines abgestürzten Flugzeugs und behalten es. Der Pilot ist tot und niemand vermisst es, sie müssen also nur warten, oder? Dass die Brüder und die anderen Personen, die sie dann doch mit hineinziehen, eine größere Gefahr für sich selbst sind, als die Männer, die schließlich kommen, um das Geld zu suchen, ist in so einem Film – wie auch in Unknown Armies – eine Selbstverständlichkeit.

Ein weiteres Beispiel: „No Country for Old Men“. Als die Brüder Coen den Roman von Cormac McCarthy lasen, müssen sie gedacht haben: „Oh, mein Gott! Das ist ja wie Fargo, nur ohne den Humor.“ Wieder geht es um Geld, das jemand findet und daraufhin um sein Leben fürchten muss. Es geht also um etwas, das ein paar Leute ganz stark wollen (viel Geld) und wieder bleiben eine Menge Leichen zurück. Film und Buch sagen uns, dass Gewalt siegt. Ist das nicht auch häufig so bei UA (und im Rollenspiel allgemein)?

Auch Neil Gaiman darf in so einer Aufzählung nicht ungenannt bleiben. Er nimmt alte Geschichten – Mythen und Legenden, ja sogar Götter – und versetzt sie in unsere Moderne Welt. In „Niemalsland“ lebt ein König in einem U-Bahn-Zug. In „American Gods“ trifft ein Mann auf den Gott Odin und viele andere alte Götter – aber auch moderne wie „Geld“ oder „Welt“. In „Anansi Boys“ stellt ein Mann fest, dass sein Vater die irdische Verkörperung eines westafrikanischen Spinnengottes ist. Gaiman macht also das gleiche wie UA, oder was glaubt ihr, ist Pornomantie anderes als die moderne Form der Magie, die schon seit Menschengedenken aus Sex und Weiblichkeit gezogen wird?

Aber dann komme ich doch wieder zu James Ellroy und David Lynch zurück. In Ellroys Geschichten gibt es Fanatiker, Intrigen, Gewalt, verwirrende Verwicklungen und Verbrechen; es gibt eine starke von den Personen nach vorn getriebene Handlung. In Lynchs Filmen findet man Zeitschleifen, plötzlich verschwundene Leute, surreale Szenen und ungelöste Rätsel. Lynch macht Magie modern, indem er uns zeigt, dass manche Dinge nur als Magie angesehen werden, weil wir noch keine Erklärung dafür haben. Eine Mischung von diesen beiden: Das ist für mich Unknown Armies. Vielleicht ein kleiner Schuss Gaiman dazu.

Schreibe einen Kommentar

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen