Velomanten

auch bekannt als Autophile und Spaßraser

von Jared A. Sorensen, inspiriert durch den Film CRASH von David Cronenberg, übersetzt von Christoph Bischko

„Das ist die Zukunft, Ballard, und du lebst schon. Zum ersten Mal winkt uns eine wohlwollende Psychopathologie zu. Der Autounfall zum Beispiel; er ist mehr Befruchtung als zerstörerisches Ereignis – ein Freisetzen sexueller Energie. Er mediiert die Sexualität der Toten mit einer Intensität, wie es anders unmöglich wäre. Das voll zu verstehen, und zu leben… das ist mein Bemühen.“
-Vaughn

Die Velomanten sind eine kultähnliche Sekte, besessen von der mystischen Verbindung von Sex und Tod – Eros und Thanatos. Man sagt, dass Autophile einen Todeswunsch hegen, der sich bald in ihrem Streben nach „der ultimativen Erfahrung“ erfüllen wird. Viele stößt ihre Obsession mit Narben, Tatortfotos und schnellen Autos ab. Die wenigen, die Verständnis aufbringen, finden sich bald selbst hinter dem Steuer wieder… möglicherweise zum letzten Mal.

Velomantie funktioniert mittels einer Kombination aus Urkräften: Entropie, Sex, Technologie und Mystik… alles starke Einflüsse im Okkulten Untergrund. Spaßraser scheren sich allerdings die meiste Zeit wenig um die geheimen Kriege oder den Sinn des Lebens. Für sie gibt es nur ein Ziel: Selbstzerstörung durch Selbstverwirklichung. Mitglieder des Kultes glauben, der einzige Weg zu leben, sei der Tod. Wenn alles auf Messers Schneide steht, Kopf und Kragen nur von ihrem Können und ihren Reflexen abhängt, bekommen sie, ähnlich wie Entropomanten, Ladungen.

Velomanten haben in der Regel jedoch eine starke Bindung zu ihren Autos – sie kaufen immer die gleiche Marke und das gleiche Modell (oft gleich mehrere Autos auf ein mal) und lernen jeden noch so esoterischen Trick der Automechaniker. Autophile sind wandelnde Lexika auf dem Gebiet der Autounfälle (besonders, weil dieses Wissen ihnen hilft, an Ladungen zu kommen). Oft besitzen sie ihre eigenen Garagen und Rennstrecken, wo sie Demoliton-Derbys veranstalten und Unfälle nachspielen (falls die Gegend abgelegen genug ist).

Die Gruppe der Unfallfreaks hält eng zusammen und ist aufs Schärfste bedacht auf ihre Privatsphäre. Wie viele es genau gibt, ist unbekannt. Am ehesten ziehen sie Sympathisanten an, die sie finanziell unterstützen, Gelände zur Verfügung stellen oder auf ähnliche Weise der Gruppe unter die Arme greifen. Nur wenige Mitglieder dieser Velomanten-Zirkel sind tatsächlich Adepten – die meisten sind einfach Mitläufer, fasziniert vom Spektakel oder davon Unfälle zu überleben.

Tabu:
Velomanten existieren in einer paradoxen Welt – einer Welt in der sie ihr eigenen Schicksal nur kontrollieren, wenn sie hinter dem Steuer sitzen, um sich dann in einem Unfall voll gehen zu lassen. Nicht derjenige am Steuer zu sein, heißt adieu zu allen Ladungen sagen. Sei es als Passagier oder beim Vermasseln eines Stresswurfs auf Hilflosigkeit – Fliegen ist ’ne dumme Sache für Velomanten, wenn sie nicht gerade selber das Flugzeug steuern.

In einigen der nächsten Blogeinträgen folgen Informationen zu den Zaubern der Velomanten. Der gesamte Artikel erscheint dann im nächsten Kassiber.

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