Voodoo – ein weiteres okkultes Paradigma

Da es mit dem Piratenszenario zu diesem Weihnachtsfest noch nicht geklappt hat, hier nun wenigstens ein Artikel über Voodoo, wie es im Goldenen Zeitalter der Piraterie praktiziert wurde. Es wird aber auch moderne Adepten interessieren, denn Voodoo ist auch im 21.ten Jahrhundert eine lebende Religion. Nach verschiedenen Ideen von Mr Unlucky aus dem englischen Unknown Armies Forum.

Die meisten afrikanischen Sklaven, die man im 16. Jahrhundert nach Haiti oder in den Süden der USA brachte, waren Angehörige der Ethnien Yoruba oder Bantu in Westafrika. Die französischen Kolonialherren verboten ihnen die Ausübung ihres Glaubens und führten den Katholizismus als offizielle Religion ein. Nachdem Haiti am 31. Dezember 1804 die Unabhängigkeit von Frankreich erlangte, wurden auch die alten Bräuche wieder in Freiheit ausgeübt. Wegen der christlichen Einflüsse unterscheidet sich der amerikanische und karibische Voodoo jedoch von seinem afrikanischen Ursprungsglauben. Viele der Einwohner Haitis bekennen sich neben dem Glauben ihrer Vorfahren auch gleichzeitig zum Christentum und brachten katholische Traditionen in ihre Riten ein. 

So entstand der Synkretismus aus der Not heraus und mit ihm die verschiedenen Ausprägungen des Voodoo (der sich wiederum in unterschiedliche Traditionen unterteilt je nach „nation“, also dem Ursprungsgebiet der Sklaven, z.B. Rada, Congo, Petro) und anderer Kulte, wie zum Beispiel Santeria, Macumba, Candomble usw.

Allesamt sind sie Religionen, die in der Gemeinschaft wurzeln und wie die christliche  Kirche ihre Priester, feste Rituale, Feiertage und eine hierarchische Struktur besitzen. Ein Priester wird Houngan, eine Priesterin Mambo genannt.

Voodoo Glaubensgruppen gibt es eigentlich nicht, vielmehr teilen sich die Anhänger des Voodoo in einzelne Gruppen auf. Jede Gruppe verehrt eine bestimmte Tradition, eine heilige Figur oder einen Loa. Der oberste Loa (im Santeria wird von Orishas gesprochen) ist Olorun, ein sehr wichtiger Loa heißt Obatala. Darüber hinaus existieren noch weitere hundert Götter oder Geister. Der oberste Götze ist „Bondye“ (auch „Le Bondieu“ genannt), es folgen „Papa Legba“, als Mittler zwischen den Göttern und Menschen, „Agowu“, ein Dämon, der Stürme und Erdbeben auszulösen vermag, „Damballah“, der Gott der Schlangen, „Erzulie“, Göttin der Schönheit und der Schöpfungskraft und der infame „Baron Samedi”, der Totenwächter.  

Aber wie definiert sich dieser mystische Mischmasch in der Welt des okkulten Untergrunds? Es hat die Form einer Schule oder eines Kultes, andererseits scheint es nur eine Ansammlung von Ritualen zu sein. Wir präsentieren

VOODOO 101

Zentrales Paradox:
Christliche Ikonographie ohne deren Weltanschauung. Reinkarnation, die Verwertung von Seelen und transzendentale Gedankengänge stehen im krassen Gegensatz zum klassischen katholischen Glauben oder dem modernen Christentum an sich. Die Dreifaltigkeit ist dabei noch das kleinste der Probleme.

Angriffszauber:
Der schwache Angriffszauber basiert auf der  allseits bekannte Voodoopuppe. Dazu muss sie allerdings im Vorhinein auf die Person „programmiert“ werden. Es benötigt zwingend ein symbolisches Element, das dem Opfer gehört, klassischerweise Haare oder Fingernägel. Traditionalisten benutzen Tieropfer, wobei das Tier entweder dem Opfer gehören muss oder  ihm deutlich über mehrere Minuten gezeigt wurde oder eine andere Form von signifikanter Verbindung besteht. Manche Voodoopuppen sind sogar recht allgemein auf eine bestimmte Form von Avataren oder Adepten zugeschnitten und funktioniert bei jeder dieser Personen, wenn der Voodooist nur den Namen des Opfers kennt (manchmal ist es eben doch nicht toll, Teil einer Gruppe zu sein!).

Der Nimmerendende Tanz ist der starke Angriffszauber. Nachdem der Voodooist sich über Stunden in Trance getanzt hat, kanalisieren sich seine Ladungen in der vorbereiteten Mischung aus Fugu, Tetrodotoxin und duftenden Kräutern und ergeben eine paralytisch-hypnotisch wirkende Droge, die dem Opfer in einer winzigen Dose verabreicht wird. Nach dessen Einnahme verlangsamen sich langsam die lebenswichtigen Körperfunktionen und nach einiger Zeit ist das Opfer klinisch tot. Ein paar Nächten nach der Bestattung gräbt der Magier es wieder aus, füttert sie oder ihn mit dem Zombiekürbis und besitzt einen treuen Sklaven (s. GRW). Bis dahin hat der angehende Zombie bereits mehrere Trauma-Würfe gegen Hilflosigkeit (Stufe 10) hinter sich und gilt als gebrochen. Sein Körper verrottet nicht und kann sich nur bewegen, wenn der Voodooist es befielt. Diese Zombies erkennt man an ihren langsamen Bewegungen, glasigen Augen, eingeschränkter Artikulationsfähigkeit und allgemein an verminderter Intelligenz (Regeltechnisch erleidet das Opfer einen Verlust von 25 Punkten in Seele und Verstand. Ausserdem kann es weder Obssesionen noch Temperamente ausleben und muss, natürlich, seinem Herren aufs Wort gehorchen). Einen Zombie aus diesem Bann zu befreien, benötigt einen mächtigen Gegenzauber, der angeblich im Laufe der Jahrhunderten verloren gegangen ist. Der okkulte Untergrund munkelt, dass man dafür mindestens den Zombie selbst und die linke Hand des Voodooisten benötigt.

Rituale:
Voodoo arbeitet meistens mit der Bindung von Dämonen (oder wie bei den Angriffszaubern mit den Seelen noch lebender Menschen). Ihre Hauptstärke liegt dabei in einer Katalogisierung der unterschiedlichsten Dämonen durch das Einführen des Systems der Loa. So kann ein Voodooist, wenn er die richtige Loa gefunden hat, seinen Einfluss gelten machen. Eine Mambo würde zwar behaupten, der Loa würde sie „reiten“, in Wirklichkeit nutzt sie ihren ritualisierten Veitstanz, um den Dämonen unter ihre Herrschaft zu zwingen. Verstärkt wird der Bund durch bestimmte Jahresdaten und das Verwenden von Veves. Ein Blick in das Kapitel „Statthalterrituale“ im GRW kann eine Idee geben, wie der Bonus für die verschiedenen symbolischen Elemente bei Verzauberungen aussehen kann.

Gemeinhin können so sämtliche Zauber der verschiedenen Adeptenschulen durch ein Voodooritual ersetzt werden. Der okkulte Untergrund spottet über (und fürchtet) diesen „Mystischen Gemischtwarenhandel“ nicht umsonst.

Tabu:  
Ein Voodooist darf niemals eine Loa um ihren Lohn betrügen. War sie ihm in irgendeiner Weise dienlich, so muß er etwas für sie tun. Während in den meisten Fällen reicht, ihnen symbolisch Essen oder Trinken (insbesondere Rum) zu kredenzen, kommt es mitunter vor, dass der Loa den Körper des Adepten für einige Zeit übernimmt (s. das Kapitel „Dämonen“ im GRW). Zudem darf er eine einmal bezauberte Person nicht ein weiteres Mal durch Zauber schaden, ohne dass diese ihm in der Zwischenzeit auf vergleichbarer Weise Schaden zugefügt hat . Die Idee eines Ausgleichs der Macht ist für diese Magieschule zwingend.

Ladungen:
Wie man eine schwache Ladung erhält: Durch ein tägliches mindestens vier Stunden dauerndes Ritual vor dem selbstgebautem Voodoo-Schrein kann der Adept eine schwache Ladung erhalten.
Wie man eine starke  Ladung erhält: Grands Maitres sind geheimen Aufrufungen, Rezitationen und Formeln, die man in einem stundenlangen Tanz zelebrieren kann. Diese Rituale können nur an bestimmten Tagen eines Monats ausgeführt werden (mit so freundlichen Namen wie „Cassé Gâteaux“, „Fête Guédé“ oder „Mangé Gran-Bois“) und geben dem Adepten eine starke Ladung.
Wie man eine mächtige Ladung erhält: Einen der großen Loas über Tage reiten. Einen neuen Typ von Loa entdecken.

Ladungen zu Spielbeginn: Ein Voodooist startet mit fünf schwachen Ladungen.

Terminologie:

  • Gris-gris: Der Ritualbeutel, den jeder gläubige Houngan sein Eigen nennt, je nach Kulturkreis vollgestopft mit billigen Schmuckstücken, Fetischen und Knochenstücken. Schützt vor magischen Angriffen und sammelt magische Ladungen.
  • Ritt:  Das Binden eines Loas an einen willigen Teilnehmer eines Rituals, welches auch der Houngan selbst sein kann.
  • Ronde-des-Ames (Seelenzirkel): das soziale Netzwerk im Voodoo das die ganze Welt umspannt. Die Schnelligkeit des Informationsflusses basiert natürlich darauf, dass auch Loas zu den Freunden eines Freudes gehören können.
  • Veves: Das Grafitti-Tag des Voodooisten. Es wird üblicherweise mit staubförmigen Materialien, beispielsweise zerstoßenen Eierschalen, Maismehl oder einfach mit Kreide auf dem Boden gezeichnet. Die Macht eines Veves steigt mit dem Grad korrekter Details in der Zeichnung.

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